Gartenzeit – Die Magie der Düfte

Den Garten betreten, tief einatmen und entschleunigen – das tut der Seele gut. Ein zarter, blumiger Duft in der Luft steigert dabei das Wohlbefinden umso mehr. Duftpflanzen verwandeln jeden Garten in eine wahre Sinnesoase.

Im Hier und Jetzt zu leben, den Augenblick bewusst wahrzunehmen und auch Kleinigkeiten wertzuschätzen, geht in einem stressigen Alltag oft unter. Doch manchmal reicht der Duft einer Rose, um einen aus dem täglichen Trott herauszureißen und in den Moment zu ziehen. „Pflanzen sind Meister darin, uns unerwartet in die Gegenwart zu holen“, erklärt Gartengestalter Torsten Koplin. „Sie sind ein Anker für das Jetzt, und weil man Duft nicht sehen kann, kommt ihr Impuls umso unvermittelter und damit intensiver.“ Wenn er die Bepflanzung von Gärten plant, wählt Torsten Koplin, der mit seinem Betrieb Leucht Gartengestaltung Mitglied bei den Gärtnern von Eden ist, immer auch bewusst duftende Arten und Sorten aus und macht damit seine Gartenkreationen zu Orten für rundum sinnliche Erlebnisse. „Düfte sind eine faszinierende, unsichtbare Dimension für den Garten“, findet er, mahnt aber auch dazu, sich von dieser Faszination nicht überwältigen zu lassen: „Man sollte mit Zurückhaltung planen und braucht Wissen und Feingefühl: Ein Zuviel an Duft überfordert und kann regelrecht unangenehm wirken. Außerdem haben die Menschen unterschiedliche Vorlieben. Die sollte man unbedingt bei der Pflanzenwahl berücksichtigen, damit sich wirklich alle in ihrem Garten wohlfühlen.“

Erinnerungen pflanzen

Düfte sind wie kein anderer Sinneseindruck mit Erinnerungen verknüpft. Bestimmte Gerüche bringen Menschen zurück in die Vergangenheit und bleiben doch zeitlos, so wie der Duft von Flieder, der viele an den Garten ihrer Großeltern erinnert. „Kaum eine andere Pflanze duftet so intensiv, dass man sie bereits riecht, bevor man sie sieht“, schwärmt der Gartengestalter. Gleiches gilt für die Linde, deren unauffällige Blüten einen unvergleichlichen Duft verströmen, der den Sommer ankündigt. Sommer und Blütenduft sind ohnehin ein eingespieltes Team, denn viele Pflanzen entfalten ihre geballte aromatische Kraft erst dann, wenn die Sonne ihre Blüten wärmt.

Doch sind es nicht allein Blüten, die das Dufterlebnis Garten ausmachen und bei den allermeisten Menschen sofort die Produktion von Glückshormonen anregen. Auch der unverwechselbare Duft frisch gemähten Grases, der erdige Geruch von feuchtem Herbstlaub und natürlich das würzige Aroma aller Arten von Kräutern: Sie alle tragen dazu bei, einen Garten zu einem Ort zu machen, den man unbedingt auch mit der Nase erkunden sollte.

Auf die Sorten achten

Jeder kennt den Duft von Lavendel, doch nicht jede Sorte eignet sich für den Einsatz als Duftpflanze. „Wir haben gute Erfahrungen mit den Sorten ‘Munstead’ und ‘Hidcote Blue’ gemacht. Sie duften so, wie ich es von Lavendel erwarte, blühen sehr schön und wachsen kompakt“, berichtet Torsten Koplin.

Rosen gelten wie der Lavendel als Klassiker für den Duftgarten, doch gibt es viele Sorten ohne Duft. Um Enttäuschungen zu vermeiden, braucht es detailliertes Wissen. Der Experte empfiehlt zum Beispiel Alte Rosen: „Sie blühen zwar meist nur einmal, aber so üppig und über Wochen hinweg, dass man ein intensives Dufterlebnis hat und es sich unbedingt lohnt, sie in den Garten zu holen.“

Kräuterduft, der die Seele streichelt

Kräuter wie Minze und Thymian sind reich an ätherischen Ölen, die sich zumeist schon bei der kleinsten Berührung in der Luft verbreiten und eine angenehm würzige Duftmarke setzen. Eine einzige Rosmarinnadel zwischen den Fingern zerrieben, hinterlässt für Stunden ein Aroma, das an Urlaub im Süden und mediterrane Küchengenüsse denken lässt – eine Wohltat für die Seele. Auch Salbei oder Thymian schicken den Geist sofort auf Reisen: „Wir setzen Thymian auch gerne außerhalb des Kräuterbeets ein, etwa in den Fugen zwischen größeren Bodenplatten. Die Polster mit ihren kleinen Blüten sehen schön aus, und buchstäblich im Vorbeigehen lässt sich ihr wunderbares Aroma freisetzen“, beschreibt Koplin. Er empfiehlt Aromaenthusiasten auch, einmal in die Sortenvielfalt vieler Kräuter hineinzuschnuppern, so reicht etwa bei der Minze das Spektrum von der frischen Schärfe der Marokkanischen Minze bis zur würzigen Süße der Schokoladenminze.

Duftende Nachtgestalten

Ein Umstand, den der Experte bei der Pflanzenauswahl für seine Gartenprojekte ebenfalls berücksichtigt: Unterschiedliche Pflanzen verströmen ihren Duft zu verschiedenen Tageszeiten. Einige entfalten ihren Duft tatsächlich erst in der Dämmerung. Mit ihnen lässt sich auch der abendliche Garten um eine zusätzliche sinnliche Komponente bereichern. „Für ein duftendes Abendbeet setze ich zum Beispiel Nachtkerzen ein“, so Koplin. „Sie öffnen ihre Blüten erst mit dem Einsetzen der Dämmerung und duften angenehm frisch.“ Eine schöne Ergänzung dazu bilden Nachtviolen mit ihrer würzigen Nelkennote, und wer seine Pergola mit einer Kombination aus Kletterrose und Geißblatt beranken lässt, kann von früh bis spät unter einem herrlich duftenden Dach sitzen.

Kreative Gestaltungsideen

Zur Duftplanung eines Gartens gehört, sich darüber Gedanken zu machen, wie es gelingt, dass die Menschen, die den Garten nutzen, die Aromen der Pflanzen auch wahrnehmen können. Die erwähnte Pergola ist eine Möglichkeit, um duftende Pflanzen unmittelbar erlebbar zu machen. Auch Wegränder und Sitzplätze sind ideale Standorte für sie. Bei kleinen Duftpflanzen reicht Nähe allein oft nicht aus. Wer möchte schon in die Knie gehen, um an einer Zwerg-Nelke zu schnuppern? Sie sollte man also in Nasennähe platzieren, etwa am Rand eines Hochbeets. Wenn dort auch ein Sitzplatz liegt, beduftet sie diesen und beglückt die Menschen, die dort sitzen mit ihrem Aroma. Und noch jemand freut sich über duftende Blüten im Garten: Insekten. Sie sind schließlich die eigentliche Zielgruppe, wenn Mutter Natur ihre Wohlgerüche verströmt, und deshalb kann man ziemlich sicher sein, dass man mit einem gut riechenden Garten sowohl Menschen als auch Tiere glücklich machen kann.