Was summt denn hier in meinem Garten?

Hajos Wildbienenkalender: Auf Wohnungssuche

Emsig fliegt sie von Blüte zu Blüte, sammelt Pollen und trägt diesen in ihrer Bauchbehaarung zum Nest. Sie ist kuschelig rotbraun/schwarz behaart, man könnte sie für eine kleine Hummel halten. Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) ist harmlos und wirkt auf Anhieb sympathisch. Als eine der ersten frühen Arten im Jahr kann man sie jetzt gut beobachten. Während etwa dreiviertel der Wildbienenarten im Boden nisten, das heißt, dort unten Nester für ihren Nachwuchs bauen, gehört die Gehörnte Mauerbiene zu den oberirdisch nistenden Arten.

Jedes Weibchen baut allein ihr Nest und lebt so völlig anders als die Honigbienen. Die Honigbienen sind übrigens auch die einzige Art, die Honig produziert. Wildbienen tun das in dieser Form nicht.
Sofort nach ihrem Schlupf ab etwa Anfang März macht sich das Weibchen auf die Suche nach einer passenden Nistmöglichkeit. Die Gehörnte Mauerbiene wählt dazu gerne vorhandene Bohrlöcher in totem Holz. Alte Fraßgänge von Käferlarven sind hochbegehrter Wohnraum, wenn sie für diese Art einen Durchmesser von 6 bis 9 mm haben. Neben der puscheligen Gehörnten Mauerbiene sind viele weitere Arten auf totes Holz als Lebensraum angewiesen. Kleine Arten nutzen schon Bohrgänge ab 2 mm. Daher mein Gartentipp: Totholz steckt voller Leben! Feucht und schattig am Boden lieben es viele Käferarten, sonnig in der Luft ist es ideal für die Wildbienen. Für diese sollten es Holzteile mit mindestens 12–15 cm Durchmesser sein, gerne mehr. Dann sind die Käfergänge auch tief genug. Wenn die Gehörnte Mauerbiene keine Holzkäferwurmlöcher findet, nutzt sie auch alle anderen Hohlräume, die sie entdeckt. So hatte ich bei der Beregnung der Erdbeeren schon mehrmals „verstopfte“ Regner. Diese habe ich dann ausgetauscht und die Regner in dem Jahr nicht mehr benutzt. So konnten im nächsten Frühjahr die neuen Mauerbienen daraus schlüpfen.
Weniger Aufräumen im Garten hilft schon direkt der Natur: Wenn ein toter Baum zur Gefahr wird und abgesägt werden muss, lasst ihn, wenn möglich, liegen. Teile können in der Ecke langsam vermodern, trocken und sonnig im Luftraum können andere Teile den Insekten ein Heim bieten. Am besten wäre es, wenn möglichst viel vom toten Baum einfach stehen bleibt. Dann findet womöglich neben der Mauerbiene noch ein Specht Gefallen daran und in dessen Höhle zieht dann später noch eine Eule ein. Auch Fledermausarten sind auf der Suche nach genau diesen Lebensräumen.
An präsenter Stelle im Garten kann ein großes Totholzstück auch durchaus für uns Menschen gut aussehen und als Gestaltungselement dienen.

Wer diese Möglichkeiten nicht hat, vielleicht auch „nur“ einen kleinen Balkon sein Eigen nennt, kann trotzdem viel Gutes tun und mit einer gut gemachten Nisthilfe den Plüschbrummern helfen und diese dabei wunderbar beobachten. Ganz toll kann man so auch Kinder mit den faszinierenden Lebewesen bekannt machen. Dabei sollte man sich möglichst nicht bewegen, um die Wildbienen nicht zu verscheuchen. Eine Gefahr gestochen zu werden, besteht nicht.
Nisthilfen kann man auch kaufen, aber Vorsicht: Nicht alles, was wir Menschen schön finden, gefällt auch den erhofften Bewohnern. Beachte: Es gibt um die 600 verschiedene Wildbienenarten in Deutschland. Keine einzige von denen kann irgendetwas mit Tannenzapfen anfangen … Auch Heu, Stroh, Rindenstücke oder Holzhächsel sind dekorative und billige Füllstoffe, machen als Nisthilfe allerdings überhaupt keinen Sinn. Das ganze Konstrukt eignet sich meist besser als Kaminanzünder.
Mit einer Nisthilfe versuchen wir immer, die natürlichen Nistplätze zu imitieren. Im Falle der Gehörnten Mauerbiene sind dies gebohrte Löcher in einem Stück Holz oder auch hohle Bambusröhrchen (aber nicht die riesigen, in die gleich der ganze Daumen passt!). Auf meinen Blühflächen bewährt für viele Arten haben sich auch der „Bienenstein“ von wildbiene.com und die „WiBiNis“ von flow-bee.de

Neuer Wohnraum in Oberneuland
Macht mit und beobachtet die neuen Bewohner bei der „Einrichtung“. Das klappt auch auf dem Balkon, Hauptsache in der Nähe blüht auch etwas Heimisches. Je mehr Blüten ihr selbst den Insekten anbietet, um so besser.
Mit einem Stück Holz und einer Bohrmaschine geht es schnell und einfach.
Damit die Nisthilfe auch wirklich funktioniert, sind allerdings ein paar Dinge wichtig und unbedingt zu beachten: Ihr benötigt einen unbehandelten trockenen Holzklotz einer möglichst harten Baumart wie Eiche, Buche, Esche oder Obstbaumholz. Kein Nadelholz wegen der Harzbildung. Die Bohrlöcher haben unterschiedliche Durchmesser von 2 mm bis 9 mm und sollten jeweils die ganze Bohrerlänge tief sein. Wichtig sind scharfe Bohrer und sorgfältiges Arbeiten. Macht lieber ein paar Löcher weniger, aber die dann tief genug und nicht ausgefranst. Die Bohrlöcher müssen im Holz enden und dürfen nicht durchgebohrt sein. Der Klotz sollte also mindestens etwa 10 bis 15 cm dick sein. Wenn ihr ein Stück eines Stammes habt, bohrt ihr immer in das Längsholz, also von der Seite (Rinde) zur Mitte, nicht in die runde Scheibe. Dort bilden sich viel schneller Risse durch die Bohrlöcher, das kann die Brut zerstören. Anschließend werden die Bohrlöcher abgeschmirgelt, damit sich die Wildbienen nicht an Splittern oder Holzfasern die Flügel beschädigen. Das ist auch bei Bambusstäben wichtig. Der Eingang muss ganz glatt sein, damit sie ohne Schaden immer wieder rein und raus krabbeln können. Nach dem Ausklopfen der Späne aus den Bohrungen kann die Nisthilfe aufgestellt werden.
Sie sollte nicht direkt auf dem Boden stehen und auch nicht wackelig aufgehängt werden. Ein möglichst sonniger und trockener Standort mit Süd-/Südost-Ausrichtung ist optimal. Falls sich kein Platz unter einer Überdachung findet, kann man noch ein kleines Dach auf den Klotz bauen, es sollte aber möglichst die Löcher nicht beschatten.
Mit etwas Glück kommen bald die Bewohner, manche Arten auch erst im Spätsommer:
Masken- und Löcherbienen sowie solitäre Wespen besiedeln die Löcher mit 2–4 mm Durchmesser,
Scherenbienen bevorzugen 3–5 mm, die Rostrote Mauerbiene und Blattschneiderbienen 5–7 mm, und die Gehörnte Mauerbiene 6–9 mm.
Ein paar Tage lang tragen die Wildbienen nun Pollen als Nahrungsvorrat für den Nachwuchs ein und bauen meist aus lehmigem Sand und kleinen Steinchen einzelne Brutzellen. Sehr schön kann man die Tiere dann bei der Arbeit beobachten, etwas Geduld vorausgesetzt. Ein fertiges Nest erkennt ihr an dem Verschluss des Bohrloches. Über den nächsten Winter bleibt der Klotz an seinem Platz, im nächsten Frühjahr schlüpft dann der Nachwuchs.
Ihr habt weder Holz noch eine Bohrmaschine? Meldet euch gerne kurzfristig (Moin@Hof-Kaemena.de), für recht kleines Geld kann ich noch ein paar fertig gebohrte Klötze anbieten.

Es klappt und ihr habt Erfolg? Versucht doch mal ein Foto zu machen und schickt dieses direkt an die Redaktion: magazin@oberneuland.info. Vielleicht kriegen wir ja im Sommer eine ganze Seite mit Nisthilfe- und Wildbienenbildern voll! 🙂

Text und Foto: Hajo Kaemena