Oldtimer im Sonnenschein
20 Jahre Oberneulander Oldtimerfest
Schon zum zehnten Mal in 20 Jahren verwandelte sich die Festwiese in einen Treffpunkt für spendenfreudige Liebhaber alter Boliden. In diesem Jahr jedoch nicht nur am Sonntag, sondern auch am Samstag.
Zum Jubiläum haben sich die beiden Organisatoren Tanja Sörensen-Trey und Marco Trey etwas Besonderes einfallen lassen und die Teilnehmer zu einer Auftakt Veranstaltung in das große Zelt („Da schwören wir auf Mahlstedt aus Varrel“, sagt Marco Trey) zu einem Gala-Abend zwischen 17 und 22 Uhr eingeladen. Und wie sollte es anders sein, kaum betreten die Gäste das Gelände, strahlt die Sonne so, dass alle, die im Zwiebellook gekleidet waren, ein Ass in der Hand hielten.
Überhaupt wurde das Wetter an beiden Tagen gern von allen thematisiert, schließlich ist eine solche Veranstaltung im Sonnenschein die Grundlage für ein richtig schönes Familienfest. Und genau das, möchte das Oldtimer Erlebnis sein. Brigitte von Engelbrechten, die zu den zehn Gründungsmitgliedern gehört, bringt es auf den Punkt: „In meiner Kindheit gab es zahlreiche Feste in Oberneuland, heute bringt das Oldtimer-Fest die Generationen auf der Festwiese zusammen.“
Ihr Vater war es, der vor 20 Jahren gefragt wurde, ob er noch eine gute Idee zur 825-Jahre Oberneuland Feier habe. „Etwas mit
Oldtimern“ sei bei seinem Hobby schnell beschlossen gewesen. „Wir haben einfach gemacht“, sagt Andreas von Engelbrechten als Marco Trey fragte, ob es Widerstände oder Schwierigkeiten gegeben hätte. 2006 konnte keiner ahnen, dass sich daraus eine Charity-Tradition entwickeln würde. Auf der Festwiese werden, stilvoll in einer auf eine Isetta montierten Glasbox, seit der ersten Rallye Spendengelder für ortsansässige Institutionen gesammelt. In diesem Jahr geht der Erlös an das Hermann-Hildebrandt-Haus. Spenden konnten Besucher und Teilnehmer gleichermaßen, ebenfalls die Einnahmen aus der Tombola und der Versteigerung landen im Topf.
„In diesem Jahr hat uns Luc Best ein Gemälde mit einem Porsche 356 für die Versteigerung zur Verfügung gestellt“, sagt Marco Trey. Für 500 Euro ging das Bild des Oberneulander Pop-Art Künstlers an Sükrü Göktas. 2024 kamen auf diese Art 11.500 Euro zusammen. „In diesem Jahr werden wir diese Marke dank vieler zusätzlicher und unerwarteter Unterstützer wohl übertreffen“, verrät das Orga-Duo.
Doch zurück zu den Anfängen: Schon damals gab es eine Orientierungsfahrt durch den Stadtteil und einen Geschicklichkeits-Parcours, nur auf der anderen Wiese. „Vor drei Jahren haben wir den Platz ausgemessen und uns auf dem Reißbrett die geschickteste Aufteilung erarbeitet“, erklärt Marco Trey. Seitdem gibt es zwei Zufahrten auf die Festwiese, für Gäste und Teilnehmer getrennt. Allerdings ist auf dem Gästeparkplatz auch der ein oder andere Oldtimer zu bewundern. „In diesem Jahr haben wir erstmals eine Drohne für Fotos und Filme eingesetzt. So hatte ich auch mal die Gelegenheit zu sehen, was sich dort alles an Wagen tummelt“, sagt Marco Trey. Gemeinsam mit seiner Frau hat er die Organisation und Leitung (übrigens ehrenamtlich!) 2017 übernommen und zur heutigen Perfektion gebracht. Nach nunmehr fünf Veranstaltungen, darf man die beiden als Profis bezeichnen. „Ich bin froh, dass Tanja und Marco dieses Fest nicht nur weiter leben lassen, sondern es auch ganz in unserem Sinne weiterentwickelt haben“, lobt von Engelbrechten auf der Gala.
Neben der Parade der Boliden ist der Geschicklichkeits-Parcours für die Zuschauer ein humorvolles Highlight. Während die ersten 50 Autos die Orientierungsfahrt starten, müssen die anderen 50 Teams einparken, Slalom fahren und Augenmaß beweisen. Das ist, je nach Automobil gar nicht so einfach. In den Cabrios klettern die Beifahrer auf Motorhaube und lehnen sich zu Heck und Seite hinaus. Bei geschlossenen Wagen, Bussen und Pick-ups sitzen die Beifahrer auch gern mal im Kofferraum oder dem Kotflügel. „Sobald Sie diese Schwelle überfahren, darf keiner aussteigen“, warnt der Begleiter die Teams.
In diesem Jahr führte die rund 24 km lange Orientierungsfahrt erstmals auf die neue Straße an der Mühle. Dort mussten die Teilnehmer boßeln. Anschließend ging es über den Osterholzer Deich zurück zur Feuerwehr in die Mühlenfeldstraße. Dort wartete André Fuchs mit zwei großen Spielzeug-Feuerwehrautos. Diese wurden mit einem Wasserstrahl auf Touren gebracht. Im Grand Central
Quartier wurde das Zeitgefühl auf die Probe gestellt und nach einer Tour durch Büropark, Achterkamp und Achterdiek leitete das Roadbook die Teilnehmer in den Kniggeweg. Dort warteten die Pfadfinder: Innerhalb einer Minute sollten zehn Blätter den richtigen
Bäumen zugeordnet werden.
Aber die Aufgabe, die die meisten Fahrer am meisten umtrieb, war die Suche nach „den“ Zahlen, figelinsch versteckt, hingen sie mal oben, mal unten, mal mit dem Rücken zur Fahrbahn. „Ich komme nicht aus dem Stadtteil und bin so mit der Wegbeschreibung beschäftigt, dass ich gar nicht auf die Zahlen achten kann“, sagte Catrin Frerichs, die mit ihrem Vater in einer Ente unterwegs war.
Was alle Teams gefeiert haben, war der Support entlang der Strecke. Da wurde gewunken, Modelle geraten, Cliquen saßen bei einem Getränk auf Klappstühlen, heizten den Grill an und führten die Teilnehmer auch mal aufs Glatteis, indem sie diese eine Zusatzrunde über den Hof fahren ließen. „Wir wurden schon im Vorfeld gefragt, ob die Autos durch bestimmte Straßen kommen“, sagt Marco Trey, der sich sichtlich über die positive
Resonanz im Stadtteil freut.
Schlussendlich kamen die Oldtimer wieder auf die Festwiese und die Besucher wählten die Publikumslieblinge. Auf dem ersten Platz landete der kupferfarbene VW Käfer 1303 Cabrio von Frank Glasenapp, der Horch 853 A (eines der exklusivsten Vorkriegsautos, sehr begehrt bei Prominenten, von dem nur knapp 1000 gebaut wurden) von Andreas von Engelbrechten landete auf Platz zwei und das „Gangsterauto“, der Citroen 11CV, von Kirsten Theobald und Reinhold Gersting auf Platz drei.
In jedem Jahr sind ganz besondere Autos auf der Wiese anzutreffen, da stand ein Santana Bus mit 21 Fenstern und auch ein BMW 3.0 SCL (das „Batmobil“, 167 gebaute Mobile) auf dem Besucherparkplatz. Im Teilnehmerfeld fand sich mit dem Caterham Super Seven das niedrigste Auto und beim Bentley 4,5 Litre „Le Mans“ (gewann 1928 gleichnamiges Rennen) muss der Fahrer sehr aufmerksam sein: Bremse und Gas haben die Plätze getauscht. Da man schnell mit den Besitzern ins Gespräch kommt, erfährt man spielerisch ein Stück Automobilgeschichte.
Seit gut 30 Jahren arbeitet Marco Trey in der Oldtimerbranche und so ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass nicht nur die Besten ausgezeichnet werden, sondern auch die Enthusiasten. „Dieser Preis steht für Sentimentales und für Menschen mit Benzin im Blut.“ So wurde in diesem Jahr Axel Bollmann mit seiner Chevrolet Corvette ausgezeichnet, weil der die Tradition seines Vaters mit seiner Teilnahme an der Tour weiterträgt, Sabine Baring und ihr Mann Uwe fahren noch immer ihren ersten Wagen, einen Fiat 770 Jakst, und Arne Krey hat die Oldtimer-Leidenschaft quasi mit der „Vatermilch“ aufgesogen.
Wer Lust auf Oldtimer bekommen hat, kann voraussichtlich im Mai 2028 mit von der
Partie sein. Einer wird es ganz bestimmt:
Ortsamtsleiter Matthias Kook. Andreas von Engelbrechten „rüffelte” ihn: „Bei dem ersten Oldtimer Event kam der damalige Ortsamts-leiter Kahl mit einem Trecker – nicht mit
Fahrrad oder zu Fuß …“ „Das nehme ich an, 2028 komme ich mit einem Trecker“, sagte Matthias Kook, der mit seiner Frau zum ersten Mal im geliehenen Wagen teilnahm. „Das hat so viel Spaß gemacht. Man kann Tanja und Marco gar nicht genug für ihr Engagement danken.“ Text: Antje Scheinert, Foto: Frank Tillmann
