Energie vom Acker
Die Frage einer sicheren und klimafreundlichen Wärmeversorgung rückt immer stärker in den Mittelpunkt. Derik Eicke, Sprecher der Deputation für Umwelt, Klima und Landwirtschaft der Bremischen Bürgerschaft, bringt deshalb Agrothermie als einen weiteren Baustein für die Wärmewende in Bremen in die politische Diskussion ein.
Wärme aus dem Boden – einfach erklärt
Agrothermie nutzt die natürliche Wärme, die im Boden gespeichert ist. Unter landwirtschaftlich genutzten Flächen werden dafür flach verlegte Leitungen in Form eines Netzes eingebracht, die diese Erdwärme aufnehmen. Dabei wird nicht in große Tiefen gebohrt – genutzt wird die Wärme aus den oberen Bodenschichten.
Über Wärmepumpen und Wärmetauscher wird diese Bodenwärme nutzbar gemacht. Anschließend wird sie über ein sogenanntes Nahwärmenetz – also ein Leitungssystem, das mehrere Gebäude oder ein ganzes Quartier miteinander verbindet – an Wohnhäuser oder Wohngebiete verteilt. Das funktioniert ähnlich wie bei anderen modernen Heizsystemen, nutzt aber regionale Wärme direkt aus dem Boden.
Das Besondere dabei: Die landwirtschaftliche Nutzung bleibt vollständig erhalten. Felder, Wiesen oder Weiden können weiterhin bewirtschaftet werden. Man sieht der Fläche später nicht an, dass darunter Energie gewonnen wird. Die Wärme steht ganzjährig zur Verfügung und ist unabhängig von Wetter und Tageszeit.
Warum Oberneuland gute Voraussetzungen bietet
Stadtteile wie Oberneuland, aber auch Strom, Seehausen und das Blockland, bieten für diese Technik besonders gute Voraussetzungen. Große zusammenhängende landwirtschaftliche Flächen liegen hier in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten. Dadurch entstehen kurze Leitungswege und eine hohe Effizienz.
Das schafft eine echte Win-win-Situation: Die Landwirtschaft bleibt erhalten und wird Teil der Energiewende. Gleichzeitig können Wohnquartiere von einer stabilen, klimafreundlichen und regionalen Wärmeversorgung profitieren.
Austausch mit der Landwirtschaft von Beginn an
Der Oberneulander Derik Eicke hat bereits Gespräche mit dem Bauernverband und der Landwirtschaftskammer geführt. Beide haben die Grundidee der Agrothermie positiv aufgenommen und sehen darin einen interessanten Ansatz, der weiter geprüft werden sollte.
Besonders ermutigend ist für ihn, dass es bereits konkretes Interesse eines landwirtschaftlichen Betriebs gibt, sich intensiver mit Agrothermie zu beschäftigen und mögliche nächste Schritte auszuloten.
Politische Schritte für eine konkrete Prüfung
Damit aus der Idee ein realistisches Projekt werden kann, hat Derik Eicke das Thema auch politisch vorangebracht. Mit einer Fragestunde in der Bremischen Bürgerschaft hat er den Senat nun aufgefordert darzulegen, welches Potenzial Agrothermie in Bremen hat und wie landwirtschaftliche Flächen – insbesondere in Oberneuland, Strom, Seehausen und dem Blockland – systematisch geprüft werden sollen.
Darüber hinaus setzt er sich innerhalb seiner Partei dafür ein, Agrothermie als festen Baustein der kommunalen Wärmeplanung zu verankern. Hierzu wurde bereits ein Parteitagsantrag eingebracht.
Ein Baustein für Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit
Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie verletzlich Energieabhängigkeiten sein können. Agrothermie bietet die Chance, Bremen einen Schritt unabhängiger von fossilen Energieimporten zu machen. Die benötigte Energie liegt direkt vor Ort, steht dauerhaft zur Verfügung und ist klimafreundlich.
Agrothermie wird nicht allein die Wärmewende lösen. Aber sie kann ein wichtiger Baustein in einem vielfältigen Wärmemix sein – besonders in Stadtteilen, in denen Stadt und Landwirtschaft so eng miteinander verbunden sind wie in Oberneuland.
Manchmal liegt die Energie für die Zukunft nicht auf hohen Masten oder Dächern – sondern ganz leise unter unseren Feldern.
DE, Foto: Jochen Mönch
