„Plüschmors“
Hajos Wildbienenkalender
Gibt es eine schönere und treffendere Bezeichnung für die Hummel, als die der plattdeutschen Sprache? Ins Hochdeutsche lässt sich der Begriff wohl am ehesten als „Pelz-Po“ übersetzen. Damit ist die zu den Wildbienen gehörende Gruppe der Hummeln – es gibt in Deutschland 41 verschiedene – sehr passend beschrieben.
Mit lautem Brummen fliegen die pummeligen bunten Fellknäuel im Garten von Blüte zu Blüte und wirken dabei oft etwas unbeholfen, tollpatschig und ohne Plan (so wie manch einer von uns vielleicht beim Einkaufen im Supermarkt). Das Leben der kleinen Freunde ist bei genauerer Betrachtung aber sehr strukturiert und effizient. Meist im Verborgenen leisten die unermüdlichen Brummer absolut Erstaunliches und es dauert etwas, bis wir Menschen deren raffinierten Plan verstanden haben. Ich muss bei Gelegenheit mal Herrn Maaß fragen, ob er das bei genauerem Hinsehen so auch über seine Einkaufswagen schiebende Kundschaft sagen kann … 😉
Anders als Honig- und viele Wildbienen sind Hummeln schon unterwegs, wenn die Temperatur auf über 3 °C steigt. Indem sie ihre Flügel „auskuppeln“, können sie sich durch schnelle Bewegung ihrer Flugmuskeln auf 30 °C Körpertemperatur „warmzittern“. Ihr dichter Pelz schützt dann zusätzlich vor der Kälte. So können sie schon vor allen anderen in den frühen Morgenstunden mit dem Pollen- und Nektarsammeln beginnen. Die allzu heißen Mittagsstunden im Sommer mögen die Hummeln dafür aber auch nicht, hier droht die Überhitzung.
Wenn im März an den ersten wärmeren Tagen die überwinterten Hummelköniginnen erwachen und losfliegen, ist es wichtig, dass sie in erreichbarer Nähe (max. 1 km) ausreichend Pollen und Nektar von früh blühenden heimischen Pflanzen finden. Das können z.B. Krokusse und Schneeglöckchen im Garten sein, Beerensträucher wie die Johannisbeeren und auch Bäume wie Weiden und früh blühende Obstbäume.
Die Hummelkönigin baut einen Staat auf, ähnlich wie eine Honigbienenkönigin. Dieser Staat wächst im Laufe des Sommers auf bis zu 600 Arbeiterinnen und Männchen an und zieht mehrere Jungköniginnen auf. Im Gegensatz zu den Honigbienen sterben die Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen allerdings im Spätherbst ab; nur die befruchteten Jungköniginnen überleben den Winter in einem geschützten Versteck. Es ist für den Staat also genauso wichtig, dass die später schlüpfenden Arbeiterinnen durchgehend bis zum Herbst verschiedene blühende Pflanzen finden. Nisten tun die Hummeln je nach Art am Boden in einer dichten Gras-/Krautschicht, in Kompost- oder Holzhaufen, Steinspalten, Vogelnistkästen oder unterirdisch in verlassenen Mäusenestern und Maulwurfsgängen. Auf keinen Fall solltet Ihr also im Garten Mäuselöcher verschließen, das ist begehrter Wohnraum! Ansonsten hilft eine „wilde Ecke“ im Garten nicht nur den Hummeln, sondern auch ganz vielen anderen Insekten. Es gibt zwar funktionierende Nisthilfen für Hummeln, diese werden aber oft nicht so gerne angenommen. Einen naturnahen, insektenfreundlichen Garten würde ich für viel wichtiger halten.
Die Weibchen der Plüschmorse haben zwar einen Stachel und könnten auch uns Menschen stechen, dies tun sie allerdings nur im äußersten Notfall, wenn sie stark bedrängt werden. Bei der Beobachtung sind sie tiefenentspannt und lassen sich nicht bei der Arbeit stören. Kommt man ihnen doch zu nahe, dann warnen sie erst einmal mit einem zum Betrachter hin ausgestreckten Mittelbein. Dichter sollte man der Hummel dann nicht auf den Pelz rücken.
Ihr steht nicht so auf Insekten, hättet aber gerne so wie früher mehr Vögel im Garten? Natürlich hängt alles zusammen. Die wichtigste Nahrungsgrundlage der meisten Vögel sind …? Insekten!
Viele der 41 Hummelarten kommen hier im Raum Bremen nicht vor oder sind insgesamt schon sehr selten geworden. Hier wird für den Artenkenner das Insektensterben schmerzhaft deutlich. Grund ist der Rückgang naturnaher Lebensräume in der intensiven Landwirtschaft genauso wie in vielen Gärten sowie in Bremen sicher an erster Stelle durch Flächenversiegelung. Auf intensiv genutzten Grünlandflächen wird zur Futtererzeugung so oft gemäht, dass kaum noch Wildkräuter zur Blüte kommen. In Gärten mussten oft Rotklee, Löwenzahn und Taubnessel der perfekten Rasenfläche und ökologisch unnützen Zierpflanzen weichen. Ich persönlich hoffe und arbeite daran, dass sich alle Seiten wieder etwas zurück zur Natur orientieren. Die gute Nachricht: Sowohl in der Landwirtschaft als auch im Garten lassen sich schon durch kleine Veränderungen, die nicht ernsthaft den Ertrag mindern oder verwahrlost aussehen, wertvolle Lebensräume für die bedrohten Arten schaffen. Und versiegelte Flächen lassen sich oft auch ein Stück weit wieder entsiegeln. Fangt doch erst mal mit einer kleinen Ecke an!
„Ich schau dir auf den Hintern!“
Sieben Hummelarten sind (noch) weit verbreitet und lassen sich hier finden. Unterscheiden kann man sie an den verschiedenen Färbungen ihrer Haare. Und da geht der erste Blick für die einfachste Erkennung tatsächlich auf den Hintern. Der von Fachleuten als Abdomenende bezeichnete Hummelpo ist je nach Art meist weiß, rotbraun oder gelblich behaart. Am Körper findet man dann noch weitere farbige Streifen oder Bereiche. So lassen sich die Arten recht einfach unterscheiden. Am häufigsten finde ich bei uns die dunkle Erdhummel (weißer Hintern, vorne schwarz mit zwei gelben Streifen) und die Ackerhummel (gelbbraun gestreifter Hintern, brauner Rücken). Weniger oft finde ich die Steinhummel (roter Hintern, vorne schwarz), die Baumhummel (weißer Hintern, Rücken rotbraun), die Gartenhummel (weißer Hintern, vorne schwarz mit drei gelben Streifen) und die Wiesenhummel (roter Hintern, vorne schwarz mit gelben Streifen).
Ein wahrer Hotspot und Treffpunkt vieler Arten bei uns auf dem Hof war im März wieder eine große blühende Kirschpflaume. Da steht man schnell mal eine Stunde staunend drunter und vergisst die Zeit! Text und Foto: Hajo Kaemena
