Feuerwerk der klassischen Musik

Exzellente Künstler begeisterten beim 4. Int. Musikfest Oberneuland

Das 4. Internationale Musikfest Oberneuland entfachte vom 28.05. bis 13.06. erneut ein Feuerwerk der klassischen Musik: An sechs glanzvollen Konzertabenden entfaltete sich ein facettenreiches Programm mit international renommierten Ensembles, Instrumentalsolisten sowie einer jungen Klassik-Elite – insgesamt die „Crème de la Crème“ der Musikszene – die mit einer Symbiose aus Ausnahmekönnen, Einfühlungsvermögen und charmantem Auftreten zu überzeugen wusste. 

Was im Jahr 2023 begann, hat sich längst zu einer Kultur-Marke und einem Publikumsmagneten entwickelt, dessen Strahlkraft weit über Oberneuland und Bremen hinausreicht und Jahr für Jahr neue Gäste begeistert. Auf dem Programm standen unter anderem Meisterwerke von Bach, Brahms, Mendelssohn, Schumann, Prokofjew u.v.m. – ebenso wie heute eher unbekanntere Komponistinnen und Komponisten, die aber zu Lebzeiten große Erfolge feiern konnten.

Seit 2023 erklingen die Konzerte in der architektonisch wie akustisch außergewöhnlichen Kirche St. Johann zu Oberneuland, deren intime Atmosphäre den Aufführungen eine besondere Strahlkraft verleiht. Jahr für Jahr lässt sich ein Publikum von der Virtuosität der Darbietungen und der einzigartigen Nähe zwischen Künstlern und Zuhörern begeistern.

„Exzellent, hochkarätig, einfach wunderbar“ – waren deshalb auch die durchgängig begeisterten Reaktionen des Publikums. Der große Erfolg des Festivals beruht in erster Linie auf den Leistungen der internationalen Weltklasse-Musiker – ein großes Dankeschön gilt aber zudem den zahlreichen Besuchern für ihr Interesse an klassischer Musik und deren hochkarätigen Interpretationen. Sowohl der künstlerische Leiter und Vorsitzende des Vereins „Internationales Musikfest Oberneuland e.V.“ Denis Goldfeld als auch sein Stellvertreter Dr. Stefan Kraß zeigten sich beeindruckt von der Resonanz des diesjährigen Musikfestes und zogen bereits während des noch laufenden Events eine positive Bilanz, verbunden mit einem Dank an die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, Unterstützer, Sponsoren und der Kirchengemeinde Oberneuland.

Eröffnungskonzert

Der erste Konzertabend vereinte, wie bereits in den Jahren zuvor, musikalische Exzellenz und familiäre Verbundenheit auf besondere Weise: Mit Denis Goldfeld und seiner musikalischen Familie standen fünf außergewöhnliche Künstler gemeinsam auf der Bühne. Der international gefeierte Oberneulander Violinist Denis Goldfeld, bekannt für seinen unverwechselbaren Ton, tief empfundene Interpretationen und seine große künstlerische Individualität, an seiner Seite die Flötistin Mihaela Goldfeld, Soloflötistin der Bremer Philharmoniker, der Pianist Vadim Goldfeld, ein erfahrener Kammermusiker und engagierter Pädagoge, sowie seine elfjährige Tochter und Pianistin Claire Goldfeld, Preisträgerin des internationalen Grotrian-Steinweg-Wettbewerbs. Gemeinsam mit der Pianistin Sofja Gülbadamova gestalteten die Ausnahmekünstler einen Abend voller feinsinniger Kammermusik, lebendigem Dialog und generationsübergreifender Musizierfreude. Ein Konzertabend, der nicht nur durch höchste Qualität überzeugte, sondern auch durch Nähe, Wärme und persönliche Ausstrahlung.

Christlich-Jüdische Fantasien

Auch während des zweiten Konzerts am 30. Mai wurden musikalische Familienbande sichtbar und die Gäste auf eine Reise durch Christlich-Jüdische Fantasien entführt, die von Joel Engel, Felix Godefroid und Anna Segal bis hin zu einer Komposition des ehemaligen Mitglieds der Bremer Philharmoniker und Professors an der Musikhochschule Don Jaffé reichten. Begleitet von seiner Frau Elza wurde Don Jaffé an diesem Abend als Ehrengast des Konzerts begrüßt, denn interpretiert wurden die Stücke durch Jaffés Sohn, Ramón Jaffé (Cello), seiner Enkelin, Serafina Jaffé (Harfe), und Monica Gutman (Klavier), die das Trio SeRaMonica bilden, gemeinsam mit Denis und Mihaela Goldfeld. Besonders beeindruckt haben dürfte dabei die junge Harfenistin Serafina Jaffé, die nicht nur ihr Instrument „voll im Griff“ hatte, sondern auch das Publikum auf charmante Art begeisterte.

Rysanov – Wass

Der Bratschist Maxim Rysanov und der Pianist Ashley Wass ließen das Publikum nach ihrem Konzert am dritten Abend des Internationalen Musikfestes Oberneuland in Staunen und Verzückung zurück. Nach jedem Stück brandete begeisterter Applaus auf, insbesondere aber zum Abschluss des Abends, nach Shostakovichs Sonate für Viola und Klavier. Schon gezeichnet von der Todeskrankheit und unter schwierigsten Bedingungen, begann Dmitri Shostakovich im Mai 1975, drei Monate vor seinem Tod, mit der Komposition einer Bratschensonate. Das Finale der Sonate gehört zu den ergreifendsten Abschiedsgesängen, die jemals geschrieben wurden. Der sehr schlichte Beginn mit Pizzicato-Bratsche und zartem Klavier ließ zunächst kaum erahnen, welche Größe sich hier entfalten sollte, sowohl in Bezug auf die Komposition als auch auf das Verständnis des Duos dafür. Eine Perfektion, die praktisch nicht zu toppen ist.

Coppey – Gülbadamova – Goldfeld

Marc Coppey verkörpert in perfekter Weise jene magische Verbindung von unerschütterlicher Hingabe an sein Instrument und der Freude am künstlerischen wie menschlichen Austausch. Dieser herausragende Cellist musizierte am vierten Abend der Konzertreihe gemeinsam mit Geiger Denis Goldfeld und der Pianisten Sofja Gülbadamova auf der Bühne der Kirche St. Johann. Alle drei Musiker teilen einen makellosen Stil, Leidenschaft und exzellente instrumentale Fähigkeiten, die sie auch an diesem Abend zu Höchstleistungen befähigten. Ein wahrhaft wunderbares Programm mit Stücken von Debussy und Prokofjew bis Schumann und Brahms.

„Bohemian Rhapsodie“

König der Geiger oder der Mann mit den schnellsten Fingern der Welt – wenn es um Roby Lakatos geht, sind die Superlative nicht weit. Der ungarische Violinvirtuose und sein internationales Ensemble begeisterten am vorletzten Konzertabend mit ihrer faszinierenden Mischung aus Klassik, Jazz und traditioneller Musik der Roma. Zudem konnten sich die Gäste des Festivals über ein Wiederhören mit vielen unvergessenen Filmmusiken freuen! Besonderes Highlight war sicher das von Lubomir Gaspar gespielte Cimbalom – ein schimmerndes, Gänsehaut erzeugendes Saiteninstrument, das in Soundtracks auch wegen seines geheimnisvollen, unheilvollen Klangs verwendet wird. Eindrucksvoll bewies er es, indem er eine berühmte Melodie aus Quentin Tarantino’s Film „Pulp Fiction“ spielte. Ein unvergesslicher Abend, der durch das Publikum mit lauten „Bravo“-Rufen honoriert wurde.

„Grande Finale“

Als der Pianist Florian Uhlig beim Grande Finale gemeinsam mit dem Cellisten David Stromberg, dem Violinisten Denis Goldfeld und dem Bratschisten Boris Faust auftrat, standen sicher alle Musiker als Stars des Abends auf der Bühne der Kirche St. Johann –aber auch der Flügel, auf dem er spielte. Denn das Instrument der Marke Bösendorfer ist ein Novum – das „Duplex Coupler Grand Piano“ – ein Klavier mit 164 Tasten. Über den normalen 88 Tasten befindet sich ein zweites Manual mit 76 Tasten, gestimmt eine Oktave höher, was eine sehr differenzierte Klanggestaltung ermöglicht. Eine zweite Besonderheit ist nicht sicht-, aber hörbar: Wenn Uhlig auf dem unteren Manual spielt, kann er mit einem Tastendruck zwei Töne erzeugen, die eine Oktave auseinanderliegen. Ein Koppelpedal und eine komplexe Mechanik im Flügelinneren machen dies möglich. Ein wahres Klangwunder, als würden zwei Pianisten vierhändig spielen. Die Wiedergeburt des Instruments ist allerdings nicht dem Pianisten Uhlig, sondern dem Cellisten David Stromberg zu verdanken. Der hatte vor einigen Jahren den ungarische Komponisten Emánuel Moór (1863–1931) für sich entdeckt, und zugleich ergründet, dass dieser zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr populäre Musiker zudem ein genialer Erfinder war. 

Moór wollte dem Flügelspiel neue Klangwelten erschließen und entwickelte dafür in den 1920 Jahren das Duplex-Piano. Große Hersteller, wie Bechstein, Steinway und Bösendorfer bauten es daraufhin in kleinen Serien. Stromberg erzählt während des Abends, dass Moór und seine Erfindung später aus dem Konzertbetrieb verschwanden, weil der Komponist jüdischer Abstammung war. Nach dem zweiten Weltkrieg geriet das Instrument dann in Vergessenheit.

Der Cellist hatte sich schon vor Jahren in den Kopfgesetzt, so ein Duplex-Piano zu finden, und sollte in Schleswig-Holstein fündig werden: Auf Gut Hasselburg (Kreis Ostholstein) hatten Heikedine Körting und ihr Mann, der Musikwissenschaftler Andreas E. Beurmann, beide bekannt als Produzenten von Hörspielklassikern wie „Die drei ???“, „TKKG“ oder „Fünf Freunde“, eine Sammlung historischer Instrumente untergebracht. Darunter auch eines von weltweit drei noch spielbare Duplex-Pianos. Stromberg und Uhlig konnten Heikedine Körting dazu bewegen, dieses Instrument aufzumöbeln und konzertfähig zu machen. 

Florian Uhlig und David Stromberg hauchen seitdem mit ihrem Projekt „The Duplex Coupler Grand Piano“, u.a. bei Konzerten in der Hamburger Elbphilharmonie, einem vergessenen Konzept neues Leben ein. „Es ist ein Gefühl, als hätte man plötzlich 300 PS mehr zu Verfügung“, so Uhlig. Mit großer Begeisterung, frenetischem Applaus und stehenden Ovationen wurden die Musiker, die gespielten Stücke von Johannes Brahms, Johann Sebastian Bach und Joachim Raff, sowie das außergewöhnliche Instrument zum Abschluss des 4. Internationalen Musikfest Oberneuland gefeiert. „So ein ergreifendes und herausragendes Konzert, haben wir tatsächlich noch nie erlebt“, so die Meinung vieler Besucher. 

Auch der Oberneulander Ortsamtsleiter Matthias Kook sowie der Pastor der Evangelischen Kirchengemeinde Oberneuland, Frank Mühring, zeigten sich begeistert und dankten den Initiatoren des Festivals Denis Goldfeld und Dr. Stefan Kraß für ihr Engagement und die wunderbaren Konzerterlebnisse der letzten 14 Tage.

Das Internationale Musikfest Oberneuland hat auch 2026 wieder enormen Anklang gefunden, hohe Besucherzahlen erreicht und für große Begeisterung gesorgt. Das Fundament des fulminanten Erfolgs stellen sicher die exzellenten Musikerinnen und Musiker sowie das feinsinnig zusammengestellte Programm des Events dar – aber auch das große Engagement der Organisatoren sowie der zahlreichen Unterstützer. Um dieses hohe Niveau beizubehalten oder sogar noch weiter zu steigern, braucht es weitere verlässliche Partner. Denis Goldfeld und Stefan Kraß: „Jeder kann uns dabei unterstützen, das Internationale Musikfest Oberneuland auch in Zukunft als einen festen Bestandteil des Bremer Kulturlebens zu etablieren. Wir würden uns freuen, wenn wir weitere Sponsoren, Förderer und Freunde der klassischen Musik gewinnen könnten. Nehmen Sie also gerne Kontakt mit uns auf – denn die Vorbereitungen für das nächste Internationale Musikfest Oberneuland starten bereits kurz nach dem diesjährigen Grande Finale. Wir sehen uns also im kommenden Jahr wieder!“ 

Text und Foto: Meike Müller