60 Jahre Klangpracht

60 Jahre Ahrend&Brunzema-Orgel

Zum 60-jährigen Jubiläum der Ahrend&Brunzema-Orgel schildert Organistin Katja Zerbst in einem persönlichen Rückblick ihre besondere Beziehung zu diesem außergewöhnlichen Instrument und erzählt, warum die „Königin der Instrumente“ bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat.

Einem kleinen Tierchen ist es zu verdanken, dass unsere Oberneulander Kirche im Jahr 1966 eine neue Orgel bekam: Der Holzwurm hatte beim Vorgänger-Instrument ganze Arbeit geleistet. Da blieb nur eines übrig: Ein Neubau musste her, aus Eichenholz! Und man war so mutig, die Firma Orgelbau Jürgen Ahrend (damals noch mit seinem Compagnon Gerhard Brunzema) damit zu beauftragen, ein Instrument zu erschaffen, das auf hervorragende Weise in die Orgellandschaft Bremens und umzu passte, in Anlehnung an die historischen Orgeln in der Nachbarschaft der Elbe-Weser-Region.
Das Gesicht „meiner“ Orgel kannte ich als Foto schon aus meiner Studienzeit, ist doch ihre Abbildung in Wolfgang Adelungs „Einführung in den Orgelbau“ zu finden: ein Zeugnis für die Besonderheit dieses Instrumentes als eine Pioniertat aus den 1960er Jahren.
Umso größer meine Freude, die Fertigstellung im Jahr 1996 begleiten zu können. Seitdem zieht es mich immer wieder an die 192 Tasten, um mit dem Orgelspiel auch anderen ein tiefes musikalisches Erlebnis zu verschaffen – ist eine Orgel doch dazu gemacht, um abseits des Alltäglichen Höhepunkte im Leben feierlich-festlich-fröhlich zu begleiten, von klangprächtig bis hin zu den leisen Tönen.
Zudem steht sie, die nicht nur für kirchliche Feiern ersonnen wurde, für klangliches und technisches Know-how, dessen Wurzeln bis in die Antike reichen. Unsere Orgel in der Oberneulander Kirche ist aufgrund ihrer Merkmale besonders gut für die Musik der Barockzeit geeignet, lässt jedoch Ausflüge in die Zeit davor zu sowie das Spiel von Kompositionen der Jahrhunderte nach Johann Sebastian Bach. „OberneulandKonzerte – Musik vom Mittelalter bis zur Moderne“ lautet denn auch das Motto der Konzertreihe, die seit 1994 die Tradition der Abendmusiken meines Vorgängers Jan Goens aufgreift. Ihm ist es zu verdanken, dass in Zusammenarbeit mit Professor em. Harald Vogel der Auftrag an die Orgelbauer Ahrend&Brunzema erging, für das Jahr 1966 die Orgel zu konzipieren. Anfang der 70er Jahre kam zu den 29 Registern noch eine Umstimmung dazu, um der Ausdrucksfähigkeit noch mehr Farbe zu verleihen.
29 Register auf 4 Tastaturen, 192 Tasten: Das macht ‚summa summarum‘ 1840 Klangerlebnisse. So viele Pfeifen in sehr unterschiedlicher Bauart und mit unverwechselbarer Stimme stehen in den beiden schlanken Gehäusen auf der Westempore. Sie sind alle von Hand gefertigt und einzeln auf die hervorragende Akustik im Kirchenraum abgestimmt. Sie formen ein Ensemble mit vielen Möglichkeiten des Musizierens: Als „Königin der Instrumente“ gewissermaßen Alleinherrscherin, wenn „alle Register“ gezogen werden, als Begleit-Instrument für die singende Gemeinde, für die Vokalchöre, als Pendant für die Bläserensembles, mal meditativ-zurückhaltend und mal „60 Jahre – und kein bisschen leise!“ – beste Voraussetzungen für ein rauschendes Orgeljubiläum!

Festkonzerte im Herbst 2026:

Konzert I
Sonntag, 20. September 2026, 18 Uhr
„Vergnügte Ruh‘, beliebte Seelenlust“ – Orgel konzertant

Werke von Johann Sebastian Bach
Kantate BWV 169 „Vergnügte Ruh‘, beliebte Seelenlust“
Kantate BWV 170 „Gott soll allein mein Herze haben“
Concerto d-Moll BWV 1052
Alt: Julie Comparini
Orgel: Katja Zerbst
Ensemble „Concerto Giovanni Battista“
VVK: shop.pferdesportverlag.de/produkt-kategorie/tickets
Karten zu 24,- Euro (erm. 18,-) an der Abendkasse
Mit freundlicher Unterstützung durch die Johann-Sebastian-Bach-Gesellschaft Bremen e.V., durch die Waldemar-Koch-Stiftung und durch den „Förderkreis OberneulandKonzerte“.

„Orgel konzertant“: Im ersten der drei Festkonzerte darf sich die Ahrend-Orgel gleich als kammermusikalische Team-Playerin bewähren! Auf dem Programm stehen drei Werke von Johann Sebastian Bach, in denen sich das Instrument in beredter Weise zum Barock-Orchester „Concerto Giovanni Battista“ unter Leitung von Paul Wicke gesellt. Neben dem Concerto in d-Moll erklingen zwei Kantaten des Thomaskantors für eine solistische Altstimme, konzertierende Orgel & Orchester. Als Gast-Sängerin konnte Julie Comparini gewonnen werden, die schon viele Male als Sängerin in Oberneuland zu hören war.

Konzert II
Sonntag, 25. Oktober 2026, 18 Uhr

„A few of my favourite things” – Von der Kino-Leinwand auf die Orgelempore Gesprächskonzert mit Musik von G. Gershwin & Cons.
An der Ahrend&Brunzema-Orgel: Katja Zerbst
Eintritt frei, Spenden für die Kirchenmusik willkommen.

Für alle, die in Sachen Musik eher die „bunte Mischung“ bevorzugen: Am 25. Oktober gibt es Melodien aus Oper, Musical und Filmen zu hören, die meinen Lebensweg als Musikerin prägten und noch begleiten. „The Sound of Music“ – eine Zeitreise. Kommen Sie mit? Treffpunkt Orgelempore!

Konzert III
Sonntag, 15. November 2026, 18 Uhr
„Novemberlicht“

Werke von Johann Sebastian Bach & Jürg Baur
Akkordeon: Prof. Margit Kern
Orgel: Katja Zerbst
Eintritt frei, Spenden für die Kirchenmusik willkommen.

Ein faszinierendes Instrument: das Akkordeon. Als „Instrument des Jahres 2026“ und als Verwandtes der Orgel sollte es unbedingt auch in unserer Kirche hör- und sichtbar sein – und welcher Zeitraum könnte günstiger sein, als im Rahmen unseres Jubiläums? Zu Gast ist Margit Kern, Professorin für Akkordeon an der Hochschule für Künste Bremen. Zu hören ist ein spannender musikalischer Dialog zwischen den beiden „Wind-Instrumenten“ Orgel & Akkordeon, zwischen Meditativem von Johann Sebastian Bach und den Klanglandschaften Jürg Baurs im „Novemberlicht“.

Text: Katja Zerbst