Schon gewaltig
„Wohnpark Oberneuland – einfach machen!“
In der ersten Bürgeranhörung zu dem geplanten Wohngebiet in Oberneuland „Wohnpark Oberneuland – einfach machen!“ wurden erstmals die tatsächlichen Dimensionen der Bebauung deutlich.
Dazu waren an einem sehr heißen Donnerstagabend im Juni viele Bürger erschienen und lauschten aufmerksam den Ausführungen der beiden Protagonisten Dennis Lakemann aus der senatorischen Dienststelle für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung, sowie Lars Lemke, BPW Stadtplanung. Auch wenn das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, so sind auf den 15 Hektar Fläche angrenzend an den ehemaligen Büropark Oberneuland 43 Kettenhäuser, 222 Reihenhäuser sowie zwei Geschossbauten mit einer Fläche von 13 mal 36 Metern, 11 Geschossbauten mit 18 mal 37 Metern und zwei oder drei Bauten mit einer Grundfläche von 23 mal 27 Metern geplant. Macht in Summe zwischen 640 und 720 Wohneinheiten. Hinzu kommen noch die Parkscheunen, die auch als Aufenthaltsfläche genutzt werden können.
Soweit die nackten Zahlen des Abends. Zu Beginn der Bürgerbeteiligung kritisierte der Oberneulander Ortsamtsleiter Matthias Kook deutlich das Fehlen aller übrigen Beteiligten der Projektgesellschaft. Klar wurde an diesem Abend auch, dass das Gelände noch nicht an die Projektgesellschaft, die für den Bau und die Ausgestaltung des Areals verantwortlich zeichnet, verkauft wurde.
Es gab aber in der Präsentation von Lars Lemke zusammen mit dem Vertreter der Bauressorts auch viele andere absolute Neuigkeiten. Dazu zählte, dass die Buslinie 31 ab 2029 eine direkte Anbindung an den Bahnhof Oberneuland erhalten soll. Ab dem Jahr 2030 soll es dann außerdem eine Expressbuslinie zwischen Oberneuland und dem Domshof geben. Beides sind Forderungen, die der Beirat Oberneuland vehement adressiert hatte. Tamina Kreyenhop als Sprecherin des Beirates und ihr Vertreter Uwe Bornkeßel beteuerten nochmals, dass, sollte dieses Vorhaben nicht umgesetzt werden, es keine Zustimmung des Beirates zu dem gesamten Projekt geben würde.
Neu und sehr unerwartet war für die Beiratsvertreter und die Zuhörer auch die Information, dass der Bau der Schule in dem Gebiet, das dezidiert auch auf die Bedarfe von jungen Familien ausgerichtet ist, lediglich bis maximal 2030 aufrechterhalten werde. Eine solche zeitliche Begrenzung war bisher nie im Gespräch und damit umso erstaunlicher. Auch der mögliche Standort der Schule in den Planungen wurde nochmals korrigiert. Die dafür vorgesehene Fläche wurde in Richtung der Franz-Schütte-Allee verlegt. Auch dies gehört zu den nicht verhandelbaren Bedingungen des Beirates, der auch daran seine Zustimmung zu dem Projekt festmacht.
Dort entlang der Franz-Schütte-Allee werden auch die Geschosswohnungsbauten entstehen. Zum großen Missfallen einiger Bürger wurde an diesem Abend über die angedachte Höhe der Bauten mit fünf Geschossen diskutiert. Dennis Lakemann kommentierte den Entwurf dieser möglichen Fünf-Geschossigkeit mit den Worten, dass dies heute Standard sei und es sich lediglich um eine Möglichkeit für die Bauherren handele. Es liege im Ermessen der Bauträger, ob sie tatsächlich so hoch werden bauen wollen.
Ebenso neu war auch der Teil der Planung, der sich mit den Kinderspielplätzen beschäftigte. Es wird von der Idee Abstand genommen, den Achterdiekpark als solche zu nutzen. Vielmehr werde an verschiedenen Stellen in dem großen Areal Räume für das Spielen der jüngsten Bewohner geschaffen.
Unumwunden gaben die beiden Präsentierenden zu, dass sie das Grundwasser dort vor eine große Herausforderung stelle. In enger Zusammenarbeit mit dem Bremischen Deichverband habe man sich jetzt entschlossen, dem Wasser in der Mitte des neuen Quartiers ausreichend Raum zu geben. Nach den Berechnungen des Experten könne diese Fläche auch Starkregen aufnehmen. Hier hatte der Deichverband deutlich gemacht, dass die umliegenden Fleete dieses Wasser nicht unmittelbar werden aufnehmen können. Nach großen Regenmengen wird das Wasser quasi in der Mitte gesammelt und dann kontrolliert an die Fleete abgegeben. Alle Wasserflächen – Fleete und das Gewässer in der Mitte des Wohnquartiers – werden vom Deichverband gepflegt werden.
Die zweite große planerische „Baustelle“ sei die Zuwegung zu dem Gebiet gewesen. Hier sei man aber nach Verkehrszählungen zu dem Entschluss gekommen, dass die Hauptzu- und -abfahrt von der Franz-Schütte-Allee aus gebaut werden wird. Der Abstand zwischen den beiden Ampeln – der heutigen zum ehemaligen Büro- und Wohnpark und der geplanten gegenüber der Ausfahrt des Achterdieksees – lägen weit genug auseinander, sodass es hier keinen Rückstau geben werde. Dann wird auch noch eine Durchfahrt an der Herman-Hollerith-Straße gebaut werden. Der Bus, der das Quartier anfahren wird, kann als einziger am heutigen Kreisverkehr einfahren, aber diese Durchfahrt wird mit einer Bussperre verschlossen werden. Die Straßenbreite wurde überall dort, wo der Bus fahren wird, auf 6,5 Meter angelegt.
Die Fragen der Bürger griffen dann weitere Themen aus den persönlichen Erfahrungen auf. Ein Bewohner des ersten Bauabschnittes des ehemaligen Büroparks griff das Thema der Parkflächen auf. Er erkenne nicht, dass für so viele Menschen und damit Fahrzeuge ausreichend Parkraum zur Verfügung stehe. Wenn er heute aus seinem Fenster schaue, dann sehe er nur noch Autos. Dazu kommentierten die Vertreter der Behörde, dass der Bau von Tiefgaragen wegen des hohen Grundwasserstandes nicht möglich sei.
Das weitere Thema war das eines weiteren Nahversorgers. Der heutige Supermarkt und der Bäcker würden sicherlich den zusätzlichen Bedarf nicht decken können. Dazu wurde jedoch auf die Nähe des Edeka-Marktes in Oberneuland verwiesen.
Die vorgestellten Planungen seien – dies betonten die beiden Vertreter – lediglich ein städtebaulicher Entwurf als Basis für den Bebauungsplan 2577, der sich in Aufstellung befinde. Es werde weitere Möglichkeiten der Bürger zur Beteiligung geben, bevor der Bebauungsplan durch die Stadtbürgerschaft beschlossen werden würde. Beginnen werde man mit der Straße zum Gebiet, also dem Anschluss an die Franz-Schütte-Allee. Geplant ist es, das Areal in zwei Bauabschnitten zu realisieren. Das letzte Haus werde an der Seite zum Achterdiekpark hin entstehen, das erste in der Mitte des gesamten Gebietes. Mit dem Baubeginn rechnen die Verantwortlichen Mitte bis Ende 2027. CB
