Vom Greenhorn zum Gärtner
Worauf man beim ersten eigenen Garten achten sollte
Wer baut, wird dadurch nicht nur zum Haus-, sondern in aller Regel auch zum Gartenbesitzer. Doch während die Inbesitznahme der neuen vier Wände ganz selbstverständlich erfolgt, fremdeln viele Neugartenbesitzer zunächst mit der Fläche rund ums Haus. Mit Torsten Koplin gibt hier ein erfahrener Gartengestalter Tipps für Garteneinsteiger.
Die Vorfreude auf den ersten eigenen Garten ist oft riesig. Endlich einfach die Terrassentür aufmachen, barfuß auf das sonnenwarme Holzdeck treten, den Vögeln beim Singen und den Bienen beim Summen zuhören, dabei den Blick über blühende Stauden und den sattgrünen Rasen schweifen lassen. Soweit der Traum. Und die Realität? Wer baut, steckt oft seine gesamte Energie – und auch das Budget – in das Haus; die Gestaltung des Grundstücks haben die wenigsten Bauherren auf der To-do-Liste. „Das ist wirklich schade“, findet der Experte Torsten Koplin. „Wenn nach monatelanger Bauzeit das neue Heim endlich bezugsfertig dasteht, ist das Bedürfnis, sich nach all dem Baustress entspannt zurückzulehnen und nur noch zu genießen, verständlicherweise groß. Führt dann aber der Weg zur Haustüre noch monatelang über Baubohlen und zeigt der Blick durch die Terrassentür nur umgewühlte Erde, will sich dieses Angekommen-sein-Gefühl nicht wirklich einstellen.“ Soll heißen: Der Garten ist ein essenzieller Bestandteil des neuen Heims und sollte möglichst von Anfang an in den Überlegungen der Bauherren eine Rolle spielen.
Haus und Garten Hand in Hand planen
Torsten Koplin weiß aus Erfahrung auch, dass der Garten am besten mit dem Haus zusammen geplant werden sollte. Schließlich hat die Planung des Hauses wesentliche Auswirkungen auf die Gestaltung eines Gartens. Sie bestimmt, welche Flächen später für den Garten zur Verfügung stehen, wo eine Terrasse angelegt werden kann oder auch, welche Ausblicke aus den Fenstern sich bieten werden. Deshalb empfiehlt der Gartengestalter, nicht nur frühzeitig über den Garten nachzudenken, sondern auch praktisch schon bei Planung und Errichtung des Hauses den Garten stets mitzudenken. Er rät: „Die Verteilung von Erdreich und Humus direkt von einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb ausführen zu lassen. Damit kann schon in der Bauphase die optimale Basis für den Garten gelegt werden.“
Außerdem weist der Fachmann auf das Timing hin: Haus- und Gartenbau müssen nicht notwendigerweise nacheinander erfolgen, sondern können in vielen Bereichen verzahnt werden. Das spart Zeit und oft auch bares Geld, etwa, wenn Wasser- und Stromanschlüsse für den Garten beim Hausbau gleich mit gelegt werden oder große Pflanzen oder Bauteile für den Garten bereits an ihren Platz gebracht werden, bevor das Haus errichtet wird. Damit erübrigt sich der spätere Einsatz eines Krans, der die Dinge über das Haus hebt. „Außerdem ist es ein enormer emotionaler Gewinn, nicht nur in ein fertiges Haus, sondern auch in einen fertigen Garten einzuziehen“, so Torsten Koplin.
Ein Garten braucht einen Plan
Er rät dringend, immer einen Fachmann zu Rate zu ziehen und mit den vielen Tipps vor allem aus dem Internet sehr vorsichtig zu sein. „Auch in einschlägigen Fernsehformaten wird oft suggeriert, dass man das alles selbst machen kann, aber wenn Sie überlegen, dass auf einer Gartenbaustelle schon einmal Arbeiten aus bis zu 15 Gewerken anfallen, bekommen Sie eine Idee davon, wie komplex Gartengestaltung ist“, gibt er zu bedenken. „Schon bei der Entwicklung eines Plans sind diverse Faktoren zu berücksichtigen, angefangen mit den Anforderungen und ästhetischen Vorlieben der Gartennutzer. Dann geht es um die Gegebenheiten des Grundstücks: Sonnenlauf, Bodenqualität, Mikroklima. Es folgen Erdarbeiten, Elektroinstallation, Wasseranschlüsse, Holz- und Mauerarbeiten, vielleicht das Setzen von Steinen oder das Gießen von Beton, gar nicht zu reden davon, wie viel Know-how es braucht, um Wasserelemente in den Garten zu integrieren. Hinzu kommt das riesige Feld der Pflanzenverwendung. Es braucht einfach enorm viel Fachwissen, um standortgerecht zu pflanzen. Das hat kein Laie.“
Wer ohne professionelle Unterstützung zu Werke geht, wird wahrscheinlich nicht lange Freude an seinem Garten haben. Natürlich ist es aber möglich, gewisse Arbeiten unter der Anleitung eines Profis in Eigenleistung zu erbringen, um die Kosten zu reduzieren oder auch einen Gartenplan so zu konzipieren, dass er nicht in einem Rutsch umgesetzt werden muss.
Pauschale Aussagen zu den Kosten für eine professionelle Gartengestaltung zu machen, ist nicht möglich, weil diese von unzähligen Faktoren abhängen, angefangen bei der Grundstücksgröße. Die Erstellung eines Gartenplans durch einen Fachmann ist allerdings oft viel günstiger, als die meisten Menschen denken.
Ein wesentlicher Faktor, den es bei der Planung eines Gartens zu berücksichtigen gilt, ist, wie viel Zeit und Energie seine Besitzer bereit sind, in die Pflege zu investieren. „Die meisten wünschen sich heute einen pflegeleichten Garten“, weiß der Experte aus Erfahrung. Allerdings stellt er auch klar: „Ein Garten macht immer Arbeit! Den pflegefreien Garten gibt es nicht.“ Der Pflegeaufwand ist aber genauso wie die Kosten abhängig von den individuellen Gegebenheiten wie Grundstücksgröße, Pflanzenbestand und Gestaltung. Es gibt allerdings ein paar Kniffe, um sich die anfallenden Arbeiten ein wenig zu erleichtern: So kosten Mähkanten zwar Geld, erleichtern das Rasenmähen aber immens und es geht viel schneller. Auch brauchen die Rasenkanten nicht nachgestochen zu werden.
Außerdem gilt: Je besser der Untergrund ist, umso besser wächst und gedeiht die Pflanzung und es gibt weniger Pflegeaufwand. Und noch ein Tipp vom Profi: „Intensive Staudenpflanzungen machen langfristig weniger Arbeit als die vermeintlich pflegeleichten Schotterwüsten.“
Eine standortgerechte Pflanzenwahl minimiert den Pflegeaufwand ebenfalls. Wer sich unsicher ist oder den Aufwand scheut, kann natürlich auch einen guten Garten- und Landschaftsbaubetrieb mit der regelmäßigen Pflege seines Gartens beauftragen. Zusätzlich gibt es außerdem ein paar nützliche technische Helferlein wie etwa Mähroboter oder automatische Bewässerungssysteme, die den Gartenbesitzern einiges abnehmen können. Dann klappt’s auch mit dem Gartengenuss.
