Frauenpower auf den Höfen

Landwirtschaftskammer Bremen und Hof Sündermann luden ein zum öffentlichen Weideaustrieb

Zum dritten Mal eröffnete die Landwirtschaftskammer Bremen die Weidesaison der Bremer rinderhaltenden Betriebe mit einem öffentlichen Weideaustrieb. Der fand in diesem Jahr auf dem Biolandbetrieb Sündermann am Hodenberger Deich statt. 130 Jersey-Kühe verließen am letzten Sonntag im April nach der langen Winterzeit den Stall und trabten gemächlich auf das saftige Grün.

Auch in diesem Jahr wieder war der öffentliche Weideaustrieb mehr, als nur das Tor zur Wiese zu öffnen. Die Imagekampagne der Landwirtschaftskammer hat das Ziel, Landwirtschaft für die Verbraucher sichtbar zu machen. An diesem Tag hatten Konsumenten die Möglichkeit, Landwirtschaft hautnah zu erleben und den Produktionsprozess nachvollziehen zu können.
Auf dem Betrieb von Stephan, Michaela und Max Sündermann wurde ein Format umgesetzt, um der Bevölkerung Einblick in die Bewirtschaftung eines landwirtschaftlichen Betriebs zu geben und damit Wertschätzung für die regionale Lebensmittelproduktion zu erzeugen. An den Infoständen von Landwirtschaftskammer, Stiftung NordWest Natur, Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen, Wildmobil der Landesjägerschaft Bremen, Landfrauen Bremen und Bremischem Landwirtschaftsverband konnten sich die Besucher über Milchviehhaltung, Tierwohl, Tiergesundheit, Biodiversität, Klima- und Naturschutz aufklären lassen.
In diesem Jahr war es der seit 2022 nach der EU-Bioverordnung bewirtschaftete Milchviehbetrieb Hof Sündermann mit 130 Jersey-Kühen und fünf Highland-Rindern, der seine Türen für die Öffentlichkeit öffnete. Zum Familienbetrieb gehören 110 Hektar Grünland und 70 Hektar Ackerland. Viele nutzten an diesem Tag die Gelegenheit, einen Tag auf dem Bauernhof zu verbringen. Die Ställe waren an diesem Aprilsonntag aber für die Öffentlichkeit aufgrund von Hygienevorschriften gesperrt, ansonsten durften die Besucher auf dem Hof überall herumgucken und Landwirtschaft live erleben.
Christian Kluge, Geschäftsführer des Bremer Landwirtschaftsverbands, moderierte im Rahmen der Veranstaltung die Podiumsrunde mit Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft, Max Sündermann, Gastgeber und Betriebsleiter von Hof Sündermann, Lena Hauschildt, Mitarbeiterin Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen, und Catalina Drewes, Agrarwirtin und Mitarbeiterin der Landwirtschaftskammer Bremen. Die offizielle Eröffnung des mittlerweile traditionellen Weideaustriebs der Bremer Landwirtschaftskammer nahm Senatorin Henrike Müller vor. „Ohne Landwirtschaft geht Umweltschutz nicht, ohne Umweltschutz funktioniert aber auch keine prosperierende Landwirtschaft“, machte sie in ihrer Begrüßung deutlich. Bremens Vorteil als Flächenstaat bestehe darin, dass man nicht stundenlang aus der Stadt herausfahren müsse, um Landwirte zu treffen. Sie hob hervor, dass Landwirtschaft praktischen Naturschutz leistet und damit Artenvielfalt und Klimaschutz ermöglicht. Müller griff das 2026 ausgerufene internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft auf. Damit werde die oft unterschätzte Rolle der Frauen in der Lebensmittelproduktion in den Fokus gerückt, so die Senatorin.
In der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass diese Unterschätzung auch heutzutage noch Realität ist. Guilia Döhle-Abis sieht zwar, dass sich Familie und Beruf in der Landwirtschaft gut vereinbaren lassen, die Wahl einer weiterführenden Schule mit verpflichtender Ganztagsbetreuung nicht in die Realität von Landwirten passt. Zudem mache die Zunahme an Dokumentationen, Regeln und Vorschriften den Alltag stressig. Es werde von außen nicht gesehen, dass der Betrieb nur als Familienbetrieb mit zwei Betriebsleitern funktioniere. Viele neue frische Ideen kommen von Frauen, die damit Betriebe auch zukunftsfähig machen, so Döhle-Abis. Fakt sei, so Christian Kluge, dass ohne Frauen in der Landwirtschaft nichts laufe. Catalina Drewes betonte, dass ein Studium der Agrarwissenschaft nur unzureichend auf die Realität in einem landwirtschaftlichen Betrieb vorbereitet und plädierte für die Qualifizierung auch durch landwirtschaftliche Ausbildung. Denn die trage zu Sichtbarkeit von Frauen bei. Sie sah starken Handlungsbedarf bei der Berufsgenossenschaft, z.B. für den Bereich des Mutterschutzes. Max Sündermann wünschte sich als Hofnachfolger Planungssicherheit und mehr Entscheidungsfreiheiten von der Politik, um seinen Betrieb zukunftsfähig machen zu können. Wie Guilia Döhle-Abis erhoffen sich auch Catalina Drewes und Lena Hauschildt für die Landwirtschaft den ehrlichen Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern sowie die Unterstützung der Landwirtschaft durch den regionalen Einkauf.
Wie regionale Landwirtschaft schmeckt, erfuhren die Besucher des öffentlichen Weideaustriebs an den Ständen zahlreicher regionaler Produzenten, die ihre Stände auf dem Hof aufgebaut hatten. Neben trockenen Informationen war das Kinderprogramm ein wichtiger Aspekt bei der Annäherung der Stadtbevölkerung an die Landwirtschaft. Viele Eltern nutzten die Chance, ihren Jüngsten das Landleben hautnah zu präsentieren, Kühe zu streicheln und ein Glas frische Milch zu trinken.

Text und Foto: Sabine von der Decken