Buddeln in der Sandkiste

Hajos Wildbienenkalender: Die Bärtige Sandbiene

Die (Enkel-)Kinder sind längst groß und in der Sandkiste im Garten wurde schon lange kein Kuchenförmchen mehr gefüllt? Bevor ihr den uninteressant gewordenen Spielplatz beseitigt und die Ecke mit Rasen ansät, guckt doch mal, ob da jetzt im Sommer nicht längst andere Bewohner den Bereich für sich entdeckt haben …

Drei Viertel der Wildbienen und viele der solitär (alleine, nicht staatenbildend) lebenden Wespen legen die Nester für ihren Nachwuchs im Boden an und suchen dafür genau solche unbewachsenen Stellen. Wenn dort im Sand viele kleine Löcher zu sehen sind, ist die verlassene Sandkiste zu einem neuen wertvollen Lebensraum geworden. Was viele Naturliebhaber gezielt in ihrem Garten anlegen, um den Insekten zu helfen, könnte also bei euch schon längst vorhanden und erfolgreich besiedelt sein.

Man kann den Sandnistbereich jetzt noch dekorativ mit Totholz einfassen, ein paar schöne, große Steine dazu legen und einige wenige insektenfreundliche Stauden an den Rand pflanzen.

Das sieht gut aus und lockt viel mehr Arten an, als das beste Wildbienenhotel. Gerade die vom Aussterben bedrohten Arten sind auch eher bei den Bodennistern zu finden und würden eh nicht das Hotel nutzen.

Wichtig nur für die Sandkiste: Es sollte kein gewaschener Spielsand enthalten sein. Dieser rieselt, wenn er trocken ist, immer wieder zusammen und die Insekten können keine Röhren bauen. Eine Ausnahme bildet hier unsere Wildbiene des Monats. Die Bärtige Sandbiene ist eine der wenigen, die genau solchen Rieselsand bevorzugt (siehe Artbeschreibung). Besser geeignet ist ansonsten ungewaschener Füllsand vom Baustoffhändler. Als Test sollte dieser mit der Hand formbar sein und nicht gleich wieder auseinander rieseln. Die Tiere graben auch genau so gerne in Mutterboden, dieser würde nur schnell mit ausgesamten Wildkräutern bewachsen und wäre dann beschattet und damit nicht mehr attraktiv.

Merke: Auch die beste heimische Bepflanzung reicht alleine nicht, wenn die Insekten in erreichbarer Nähe (das sind manchmal weniger als 100 m) keine Nistmöglichkeiten finden. Wenn ihr wirklich mit der Zeit immer mehr Arten in eurem Garten finden möchtet, solltet ihr diesen ganze Lebensräume bieten. Das klingt viel komplizierter als es ist. Je mehr ihr euren Garten sich natürlich entwickeln lasst und nicht so viel aufräumt und „verschönert“, umso eher entstehen diese Lebensräume von ganz alleine. Was auf den ersten menschlichen Blick ungepflegt wirkt, erweist sich für die Natur oft als Paradies. Wer also eh keine große Lust zur Gartenarbeit hat, kann seine Faulheit ganz wunderbar mit dem wertvollen Artenschutz begründen! Egal, was die Nachbarn denken, lasst den Rasen mal länger wachsen, in den Ecken hinten das Laub liegen, ein paar Brennnesseln stehen und den abgebrochenen Ast im Beet liegen. Ganz, ganz viele kleine Freunde werden euch sehr dankbar sein! Und vielleicht wundert sich ein Nachbar irgendwann mal, warum bei euch so viele wunderschöne Schmetterlinge fliegen und bei ihm kein einziger …

Zurück zur Sandnistfläche: Für alle, die keine Sandkiste im Garten haben (oder wo dort noch intensiv gebacken und gebuddelt wird) hier eine kleine Bauanleitung für einen dekorativen und für den Beobachter spannenden Nistbereich: Optimal ist ein möglichst sonniger Standort im Garten. Je wärmer es hier in der prallen Sonne wird, umso besser. Gut geeignet sind auch Flächen direkt an Gebäuden. Ein Dachüberstand könnte vor zu viel Regen schützen. Schattige Plätze werden von vielen Arten nicht angenommen. Es muss nicht riesig groß sein, mehr als ein Quadratmeter wäre aber schon gut. Wichtig ist, dass sich auch nach viel Regen kein Wasser auf der Fläche und in den etwa 50 cm darunter staut. Manche Arten graben tatsächlich so tief und bauen dort unten kleine Höhlen, in die sie Proviant und ein Ei darauf legen. Man kann jetzt also etwa bis zu dieser Tiefe den Boden abtragen und das Loch mit geeignetem Sand auffüllen und zwischendurch festtreten. Oder man gräbt nicht so tief und schüttet stattdessen einen Haufen auf. Bewuchs und die obere Mutterbodenschicht solltet ihr aber auf jeden Fall entfernen, damit daraus nicht später hier unerwünschte Pflanzen durch den Sand nach oben wachsen. Gerade auf lehmigen, schweren Böden wäre ein Haufen oder das Sandarium als Hochbeet besser als die Grube. Sinnvoll kann auch eine Wurzelsperre z.B. aus hochkant eingegrabenen Gehwegplatten zur Abgrenzung sein. Die fertige Fläche sollte dann nicht mehr aufgelockert, gehackt oder geharkt werden, um die Nesteingänge nicht zu zerstören. In der Regel schlüpft der Nachwuchs nach dem Winter im folgenden Frühjahr.

Auch viele allein nistende Grabwespen nutzen solche Sandflächen. Ihr wollt keine Wespen im Garten ansiedeln (das sind ganz andere als die „schlimmen“ staatenbildenden Wespen!)?

Vielleicht seht ihr das schon anders, wenn ich euch verrate, dass sich einige Arten auf die Jagd nach Spinnen zum Füttern ihres Nachwuchses spezialisiert haben!

Ähnlich wie eine Sandnistfläche funktioniert auch eine Pflasterfuge zwischen den Steinen. Längst nicht jeder Haufen darin stammt von Ameisen, oft sind hier Sandbienen am Werk. Und dann buddelt da pro Nest immer nur eine einzige, kein ganzes Volk. Das bisschen Aushub macht keinen Schaden und bringt die Steine nicht zum Wackeln. Oft sind diese Fugen die einzigen erreichbaren Offensandstellen. Wenn ihr im Garten neue Pflastersteine verlegen wollt, würden sich die Insekten über breite Fugen freuen und haben auch nur dann Erfolg, wenn die Steine in Sand gelegt wurden und nicht in ein Schotter- oder Splittbett.

Etwas Geduld ist dann auch noch gefragt. Oft dauert es ein/zwei Jahre, bis die ersten Nester im Sommer gebaut werden, dann wird es immer mehr. Mit Glück kann man dann eine fleißige Biene bei der schweren Arbeit beobachten.

Auf meinen Ackerflächen habe ich mit dem Trecker riesige Sandnistdünen erstellt, die sind teilweise durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Aber auch viel kleiner kann das bei euch im Garten gut funktionieren.

Text und Foto: Hajo Kaemena