Sichtschutz ganz in Grün

Lebendigkeit und Dynamik durch Hecken

Im Garten abschalten, den Familiennachmittag genießen oder mit Gästen den Grillabend: alles wunderbar, aber nur, wenn man dabei vor neugierigen Blicken von außen geschützt ist. Deshalb gehört ein durchdachter Sichtschutz zu den wichtigsten Aufgaben einer sensiblen Gartenplanung, gern in Gestalt von Hecken, denn die unterstreichen den Gartencharakter, bringen Lebendigkeit und Dynamik in den Garten.

Hecken haben harte Konkurrenz: Mauern und Zäune übernehmen im Garten die gleichen Funktionen: Blicke lenken und ablenken, Grenzen setzen, Bereiche markieren. Dennoch nehmen Hecken unter den Sichtschutzelementen eine Sonderstellung ein, denn nur sie bestehen aus lebendigem Material, befinden sich also in stetigem Wandel, verändern ihre Größe, Form und je nach verwendeter Pflanze auch die Farbe mit der Zeit.

Wie bei jedem anderen Sichtschutz stellt sich auch bei Hecken die Frage: Woraus soll sie bestehen? Pflanzen natürlich – aber welche Art? „Klassiker sind natürlich Konifere oder Kirschlorbeer“, sagt Torsten Koplin. Der Gartengestalter ist mit seinem Unternehmen Leucht Garten- und Landschaftsbau spezialisiert auf die Planung, Anlage und Pflege individueller Privatgärten und kennt sich mit Hecken bestens aus. Und es wird schnell klar, dass er von den genannten Klassikern nicht wirklich überzeugt ist. „Wir alle kennen jahrzehntealte Gärten mit Koniferenhecken. Diese werden oft sehr mächtig, dominieren und beschatten den Garten und sind auch auf die Dauer nicht gut schnittverträglich. Seine Alternativempfehlung: „Eiben! Ihre weichen dunkelgrünen Nadeln wirken filigran und edel. Sie sind sehr blickdicht, schnittverträglich und bilden für Blühpflanzen einen wunderbar ruhigen Hintergrund, vor dem deren Farben so richtig leuchten können.“

Auf die Sorte achten

In Sachen Kirschlorbeer differenziert Torsten Koplin: „Dabei setze ich auf kleinblättrige Sorten wie etwa Prunus laurocerasus ‘Herbergii‘ oder den Portugiesischen Kirschlorbeer Prunus lusitanica ‘Angustifolia‘, der sich in den letzten Jahren sehr bewährt hat. Die wirken viel edler als der gängige Baumarkt-Kirschlorbeer. Außerdem lassen sich kleinblättrige Sorten viel besser schneiden und ergeben eine schöne, dichte Hecke.“

Wie die Eibe ist Kirschlorbeer immergrün. Das hat den Vorteil, dass er das ganze Jahr über zuverlässigen Sichtschutz bietet. Torsten Koplin findet aber, dass auch laubabwerfende Heckenpflanzen wie die Hainbuche oder der Liguster durchaus ihren Reiz haben: „Das heißt, dass auch die Hecke dem Wandel der Jahreszeiten unterliegt. Sie ist dann nicht wie eine Mauer oder ein Zaun ein unveränderliches Gestaltungselement, sondern unterstreicht die Dynamik, die Pflanzen ja nun einmal haben.“

Ist die Hecke kahl, erfüllt sie ihren Zweck als Sichtschutz natürlich nur noch unvollkommen, doch das sieht Torsten Koplin gelassen: „Im Winter wird der Garten ohnehin wenig als Aufenthaltsort genutzt. Insofern ist es oft auch gar nicht nötig, ihn auch in der kalten Jahreszeit vor neugierigen Blicken zu schützen.“ Wem es allerdings darum geht, sein grünes Refugium ganz generell vollkommen privat zu halten, sollte lieber auf immergrüne Pflanzen oder gar auf eine Mauer oder einen blickdichten Zaun setzen.

Hoch die Hecke

In einem Bereich sind Pflanzen baulichen Elementen in Sachen Sichtschutz allerdings im wahrsten Sinne des Wortes haushoch überlegen, nämlich dann, wenn es darum geht, ein Grundstück gegen Blicke von oben abzuschirmen. „Gerade in dicht bebauten Gegenden ist es oft die Einsehbarkeit des Grundstücks aus den oberen Etagen der Nachbarhäuser, die die Privatsphäre beeinträchtigt“, weiß der Experte Koplin aus Erfahrung. Sein Tipp: Spalierbäume. „Die setzen wir gern wie eine schwebende Hecke ein und verlängern so den Sichtschutz in die erste Etage.“ So werden nicht nur Einblicke von außen unmöglich, auch die Perspektive aus dem Garten heraus beeinflussen sie positiv, denn hinter einem Riegel aus Spalierbäumen verschwinden auch wenig ansehnliche Gebäude in der Nachbarschaft. „Der ganze Garten wird grüner“, fasst es Koplin zusammen.

Multifunktionales Grün

Dabei ist die Abgrenzung nach außen bei Weitem nicht die einzige Funktion, die eine Hecke in einem Garten übernehmen kann. Beispiel gefällig? Eine völlig frei stehende Bank wirkt nicht gerade einladend. Steht die gleiche Bank aber vor einer Hecke, die ihr regelrecht Rückendeckung schenkt, hat sie mit einem Mal das Potenzial, ein Lieblingsplatz im Garten zu werden. Neben diesem Geborgenheitsfaktor gibt es einen weiteren Grund, Hecken bei der Gestaltung des Grundstücks einzuplanen: die Lust des Menschen auf Abwechslung. „Hecken helfen, ein Grundstück zu gliedern“, erklärt der Gartenfachmann. „Das ist wichtig, um einen Garten dauerhaft interessant zu machen und ihn auch in verschiedene Funktionsbereiche einteilen zu können. Ist ein Grundstück mit dem Auge auf einen Blick erfassbar, stellt sich hingegen schnell Langeweile ein oder einzelne Gestaltungselemente treten zu stark in Konkurrenz zueinander.“

Stilistisch passen Hecken ebenso zu modernen wie zu traditionellen Gärten. Und wie sieht es mit der Pflege aus? „Natürlich müssen Hecken in Form gehalten werden“, bestätigt Torsten Koplin, „aber es gibt Sorten, die langsam wachsen und nicht so oft geschnitten werden müssen.“ Die sind zwar zumeist in der Anschaffung teurer, weil sie eben ihre Zeit brauchen, bis sie in der Baumschule auf Heckengröße herangewachsen sind, doch nach Erfahrung des Experten lohnt die Investition, weil man mit einem Schnitt pro Jahr auskommt. Schneller wachsende und damit günstigere Gehölze wie die Thuja müssen doppelt so häufig gestutzt werden und sind auch optisch oft nicht der große Wurf. Gleiches gilt für den massenhaft in Baumärkten angebotenen großblättrigen Kirschlorbeer. Außerdem verlangt sein Rückschnitt besondere Sorgfalt, weil durchgeschnittene Blätter braun werden und die Hecke damit unschön wird.

Platz genug?

Ein regelmäßiger fachgerechter Schnitt hält die Hecke in Form und sorgt dafür, dass sie über die Jahre immer dichter wird. Vor der Entscheidung für die eine oder andere Heckenpflanze sollte man sich allerdings genau über deren Expansionsdrang informieren, schließlich wachsen alle Gehölze nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite. Das kann gerade in kleinen Gärten irgendwann zum Problem werden. Für Standorte, an denen ganz wenig Platz, aber dennoch pflanzlicher Sichtschutz gewünscht ist, gibt es zum Beispiel mit Efeu berankte Elemente.