Geschützter Ort für Kinder

Hermann-Hildebrand-Haus feiert 80-jähriges Bestehen

Das Hermann-Hildebrand-Haus in Bremen-Oberneuland ist eine Einrichtung der stationären Kinder- und Jugendhilfe des gemeinnützigen freien Trägers „Verein Bremer Säuglingsheime“, in dem u.a. vier durchgängig betreute Gruppen-Plätze für Kinder von 0 bis 14 Jahren im Rahmen der Inobhutnahme vorgehalten werden. 

Aktuell leben hier 32 Kinder. Anlässlich des 80-jährigen Bestehens werden nun erstmals Sponsoren und Spender zum alljährlich vom Hermann-Hildebrand-Haus veranstalteten Sommerfest eingeladen. Denn in aller Regel feiern hier nur Kinder, um ihre Anonymität und ihren Schutzraum zu wahren.

Bereits 1867 wurden das heutige Haupthaus und ein Nebengebäude als Hartmannshof auf einem weitläufigen, parkähnlichen Gelände als Fürsorgeheim für Mädchen gebaut. Auf dem Grundstück von E.A. Hartmann konnte der Verein Ellener Hof in Oberneuland mithilfe eines Legats der 1865 gegründeten Johann und Elise Höpken-Stiftung das Kinderheim bauen. Nachdem die Einrichtung für verwahrloste Mädchen 1931 geschlossen wurde, stand es einige Jahre leer, berichtet Ulrich Kenkel. Erst seit 1941, so der Leiter der Einrichtung, wurde es in Hermann-Hildebrand-Haus umbenannt. „Auch das gehört zur Wahrheit“, so Kenkel, „es war ein Kinderheim der NS-Volkswohlfahrt.“ 1946 wurde das Oberneulander Kinderheim und drei weitere Bremer Kinder- und Säuglingsheime im Verein Bremer Säuglingsheime zusammengeführt. Bis in die 1970er Jahre war das Haus im Schwerpunkt eine Pflegeeinrichtung für Kleinkinder und Säuglinge. Ab Mitte der 1980er Jahre veränderte sich der Aufgabenschwerpunkt in Richtung Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung mit pädagogischem Schwerpunkt und inhaltlicher Ausrichtung in Richtung Notaufnahme. Diese Ausrichtung verstärkte sich in den 1990er Jahren deutlich. Joachim Pape machte das Haus in seiner Funktion als Sozialpädagoge und Leiter damit zukunftsfest. 2018 trat Ulrich Kenkel, der gemeinsam mit Claudia Grosse-Nochtmann die Inobhutnahmeaußenplätze einführte, dessen Nachfolge an. In den sogenannten IONAs werden Kinder in Eins-zu-eins-Betreuung von Fachkräften in deren Zuhause betreut. Mittlerweile gibt es acht Plätze, so Kenkel. Die Unterbringung besonders von Säuglingen sei bedingt durch den Schichtdienst problematisch und mache eine zusätzliche Antwort der Inobhutnahme notwendig, erklärt Frederike Heß. „Wir sind die einzige Einrichtung, die Kinder ab 0 Jahren aufnimmt“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin.

Der Aufgabenbereich des Hermann-Hildebrand-Hauses umfasst die temporär begrenzte Inobhutnahme mit Inobhutnahmeaußenplätzen, eine heilpädagogische Wohngruppe und Erziehungsstellen, die mit pädagogischen und medizinischen Fachkräften besetzt sind und Kinder im privaten Haushalt betreut. Im Schnitt sei die Verweildauer bei der Inobhutnahme angestiegen, sagt Yvonne Busche, pädagogische Leitung. Meistens bleiben die Kinder länger als drei Monate, denn es fehle an Anschlussmaßnahmen.

War das Hermann-Hildebrand-Haus nach 1946 noch Auffangstation für ca. 200 Kinder, wohnen aktuell hier 32 Kinder. Wurden in der Nachkriegszeit Waisenkinder und Kinder, deren Mütter arbeiten mussten, von Kinderkrankenschwestern betreut, sind es heute medizinische und vor allem pädagogische Fachkräfte, die die Kinder betreuen. Heutzutage seien Kinder emotional stark vernachlässigt, stellt Yvonne Busche fest. Es gebe viele Fälle sexuellen Missbrauchs, häuslicher Gewalt und desolate gesundheitliche Zustände, die eine Inobhutnahme erforderlich machen. „Es findet eine Verrohung statt“, macht die pädagogische Leiterin deutlich.

Da manche Kinder von den Mitarbeitern des Sozialen Dienstes direkt von Schule oder Kindergarten in Obhut genommen werden müssen, fehlt es zu Anfang an Einigem. Daher werden Spenden, vornehmlich Geldspenden, für die erste Ausstattung mit Bekleidung etc. sehr gerne entgegengenommen. Der Bekleidungssatz für Kinder von der Stadt Bremen beträgt 40 Euro pro Monat und wird i.a.R. erst nach sechs Wochen nach Inobhutnahme ausgezahlt. „Wir sind ein kleiner Träger, deshalb gehen alle Spenden direkt und eins zu eins direkt an die Kinder.“ Genutzt werden die Spendengelder für Ausflüge, Schwimmkurse, Sommerferienerlebnisse, Nachhilfeunterricht, Freizeitangebote und Spielzeug für draußen. Über die Kooperationen mit den örtlichen Sportvereinen, Wirtschaftsjunioren, Ladys Circle, Lions Club und u.v.m. sind sie sehr dankbar. Bei Sachspenden bitten Frederike Heß und Yvonne Busche um die Kontaktierung der Verwaltung. 

Text und Foto: Sabine v.d. Decken