Unsere „neue“ Schule
Grundschule Oberneuland
„Wir müssen Ganztag erst lernen“, so kommentiert die Leiterin der Grundschule Oberneuland, Dagmar Sense, die neue Situation nach den Sommerferien. Lernen oder besser organisieren musste und muss auch weiterhin die Grundschule Oberneuland und damit die Schulleitung und das gesamte Kollegium jetzt eine offene Ganztagsschule, aber und vor allem auch die Betreuung de Kinder nach dem offiziellen Schulschluss um 13 Uhr. „Eine sehr komplexe und herausfordernde Aufgabe, der wir uns aber alle gerne stellen – nach so langer Zeit, wie wir darauf gewartet haben“, erläutert Dagmar Sende die Zeit vor dem ersten Schultag.
Mit Schulstart zogen auch die ersten Klassen in den Neubau auf dem Gelände ein. Hier sind in der ersten Etage die Erstklässler und in der zweiten die vierten Klassen untergebracht. Betritt man dieses neue Haus, dann führt der Weg als Erstes in die Mensa. Hier wird an allen Schultagen für die Jungen und Mädchen vegetarisch durch Mitarbeiter der Bremer Firma „Green Taste Catering“ frisch gekocht. In einer kleinen, der eigentlichen Küche vorgelagerten Teeküche können die Kinder und auch die Lehrer jederzeit kostenfrei Wasser bekommen oder die Lehrkräfte mal einen Kaffee kochen.
Der ganze Raum der Mensa ist farblich ansprechend und mit hochwertigen Materialien ausgestattet. Dort befindet sich auch eine kleine Bühne mit Beleuchtung. Hier sollen in Zukunft verschiedene schulinterne Aufführungen stattfinden können, aber auch die Bevölkerung wird dort nach Schulschluss willkommen geheißen, wie beispielsweise für Sitzungen des Beirates.
Vor den bodenhohen Fenstern zur Oberneulander Landstraße hin wurden im Freien unter den alten hohen Bäumen einladende
Sitzgelegenheiten geschaffen, die eine kleine Pause an der frischen Luft ermöglichen.
Hell und freundlich
Die Klassenräume in den beiden oberen Geschossen sind ebenfalls lichtdurchflutet – nicht nur zur Umgebung hin, sondern auch in den Flur hinein. So halten die Lehrkräfte jederzeit Kontakt zu den Geschehnissen vor den Klassenzimmern. Die meisten dieser Räume sind durch eine weitere Tür mit einem kleinen Nebenzimmer verbunden, in dem man sich ein wenig „ausruhen“ kann. Diese sind ebenfalls mit Tischen und Stühlen ausgestattet, sodass die Kinder dort in Ruhe auch mal eine Sonderaufgabe bearbeiten können. Auf den Fluren wurden unverschlossene Spinde aufgestellt, in denen die Schülerinnen und Schüler ihre Jacken, Taschen und Straßenschuhe unterbringen können. Denn im Haus trägt jeder Schüler seine individuellen „Schul-Haus-Schuhe“.
Der Neubau beherbergt aber auch die separaten Räume für die GE-Schüler. Das sind Kinder mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung (GE). Der Begriff wird im Schulwesen verwendet, um Schüler zu beschreiben, die aufgrund einer starken Beeinträchtigung ihrer kognitiven und oft auch ihrer motorischen sowie sprachlichen Fähigkeiten einen individuellen, sehr stark an der Lebenspraxis orientierten Förderbedarf haben. „Das Lehrziel bei diesen momentan drei Kindern ist ihre Befähigung auf das kommende Leben hin, nicht der Lehrplan“, so Dagmar Sense. Im kommenden Jahr wird die Zahl der GE-Kinder dann auf fünf erhöht werden. In diesen gesonderten Räumen können dann die Jungen und Mädchen gemeinsam mit ihren Klassenassistenzen und Sonderpädagogen zusätzlich Dinge des täglichen Lebens lernen, wie kochen, backen oder manchmal wird auch eben nur gebastelt.
„Bunte“ Schule
Zurzeit besuchen 380 Schüler die Grundschule Oberneuland. Sie sind in 15 Klassen aufgeteilt, im kommenden Schuljahr wird die Zahl auf 16 steigen. Das Angebot wird noch um eine Vorkursklasse ergänzt, in der vier Stunden Deutschunterricht gelehrt wird. Dafür habe das Kollegium um Dagmar Sense lange gekämpft. Daher ist die Schülerschaft inzwischen „bunt“ gemischt, wie die Schulleiterin stolz berichtet.
Zu und mit dem Neubau der Schule kam auch die Ausrichtung als offene Ganztagsschule. Das bedeutet, dass die Kinder bis 13 Uhr den gemeinsamen Schulunterricht erhalten, und nach dem gemeinsamen Mittagessen können sich die aktuell 222 Ganztagskinder in die verschiedenen Gruppen aufteilen.
Die Eltern wurden im Vorfeld gefragt, ob sie von diesem zusätzlichen Angebot Gebrauch machen wollten. Bevorzugt wurden die Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind. In dieser Zeit nach dem Unterricht werden dann Hausaufgaben gemacht, aber es werden auch verschiedene Ruhe-, Bewegungs- und Spielangebote gemacht. Hierfür zeichnen die pädagogischen Mitarbeiter verantwortlich.
An jedem Tag sind aber auch noch für zwei Stunden Lehrer am Nachmittag dabei – damit auch sie, wie die Schulleiterin kommentiert, „Ganztag lernen und verstehen“. Somit endet der „Ganze-Tag“ für die
Jungen und Mädchen von Montag bis Donnerstag entweder um 15 oder 16 Uhr. Am Freitag haben die Eltern die Wahl, die Kinder entweder um 14, um 15 oder um 16 Uhr abzuholen. Diese Zeiten sind jedoch fix, gelten für ein Schuljahr und können nicht
geändert werden.
Spielen nach Herzenslust
Natürlich gibt es auch Pausen zum Ausruhen und Durchschnaufen, die dann auf dem neugestalteten Spielplatz vor der Grundschule ausgiebig genutzt werden. Nach dem Konzept der Schule werden die Jungen und Mädchen zu Schulbeginn an dem Zaun „abgegeben“ und zu immer festen Zeiten dort abgeholt. „Auf unserem Gelände sollen sich nur Erwachsene befinden, die den Schülern auch helfen können“, kommentiert Sense das Konzept. Die nächsten Schritte zur Fertigstellung des Schulgeländes ist
die Sanierung des kleineren Gebäudes an der Rockwinkeler Heerstraße. Das wird das Musikhaus werden. Dazu werden die Wände im Obergeschoss herausgerissen und es wird ein großer, einladender Musiksaal entstehen. Damit auch alle Schülerinnen und Schüler in die obere Etage gelangen können, wird ein Fahrstuhl eingebaut werden. Dann steht dem Musikzieren im Chor oder einer Band nichts mehr Wege.
Im Untergeschoss wird dann das sogenannte „Mizi“ untergebracht – der Begriff für das Lehrerzimmer oder Mitarbeiterzimmer. Gut sei an dem neuen Standort des um ein Drittel gewachsenen Kollegiums auch die Lage, da von dort aus ein großer Teil des Schulgeländes einsehbar sei und alle Lehrer ähnlich weite Wege in den Pausen haben. Weiterhin wird in dem „alten“ Neubau an der Mühlenfeldstraße ein Pflegebad eingebaut, das speziell für die Kinder mit besonderen Bedürfnissen gedacht ist.
Der Multifunktionsplatz, der dem Neubau der Schule weichen musste, liegt jetzt dort, wo vormals der sehr viel kleinere Spielplatz war. Dieser kann jetzt nach Schulschluss, also ab 16 Uhr, wie zuvor von den Jungen und Mädchen des Stadtteils genutzt werden. Offen und ungelöst ist allerdings die Frage der Turnhalle, die den neuen Anforderungen der neuen Ganztagsschule in keiner Weise mehr gerecht wird. CB
