Die Biene mit der Hose
Hajos Wildbienenkalender
Eine wie die andere … Honigbienen sehen (fast) alle gleich aus. Bei ihren „wilden Schwestern“, den Wildbienen, ist die Vielfalt an Formen und Farben der verschiedenen Arten dagegen riesig groß. Von Wespentaille bis Hummelhüfte ist von allem etwas dabei, und auch die Lebensweisen unterscheiden sich deutlich. Einige Arten könnt ihr auch als Laien schon in eurem Garten erkennen, vorausgesetzt, diese fühlen sich bei euch wohl und sausen nicht schnell weiter auf der Suche nach passenden Lebensräumen.
Wildbienen sammeln als Futter für ihren Nachwuchs Blütenpollen und transportieren diesen in die Nistzellen, die sie in ihrem Nest gebaut haben. Nur die „Kuckucksbienen“ sammeln keinen Pollen. Sie leben parasitisch und legen ihre Eier „ins gemachte Nest“ ihrer Wirtsbienen. Das klingt vielleicht unfair und böse, auf diese Weise erhält sich die Natur aber ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Arten.
Zurück zu den fleißigen Sammlerinnen, die in der Regel als „Solitärbienen“ ganz alleine ihr Nest bauen und mit Pollen füllen. Zum Sammeln und Transportieren nutzen die meisten Wildbienenarten Sammelhaare. Oft als „Bürste“ unter dem Bauch oder wie bei meiner heutigen Lieblingswildbiene an den Beinen. Die Dunkelfransige Hosenbiene ist durch ihre auffallend langen Haare an den Hinterbeinen zu ihrem Namen gekommen. Nach erfolgreichem Sammelflug wirken die extrem mit Pollen gefüllten Beinbürsten wie Hosen. Je nach Blütenbesuch ist die „Hose“ dann z.B. weiß bei der Wegwarte oder gelb beim Ferkelkraut. So kann die Wildbiene über 40 mg Pollen an ihren Beinen mitnehmen. Deutlich erkennt man beim Beginn des Sammelns die langen Haare, zum Ende hin wirkt es eher so, als ob das Insekt große „Ballons“ an den Beinen hat.
Die Nistzellen liegen am Ende eines 20-60 cm tiefen Ganges, den sie zuvor in den Boden gegraben hat. Pro Tag schafft es die Hosenbiene, jeweils eine Brutzelle mit Pollenproviant zu versorgen. Für die nötigen sechs bis zehn Sammelflüge ist sie jeden Tag etwa vier Stunden unterwegs. Wenn genug Nahrungsvorrat in der Zelle gesammelt ist, legt die Wildbiene darauf ein Ei und verschließt den kleinen Raum. Danach wird die nächste Brutzelle gefüllt. Schon nach kurzer Zeit schlüpft aus dem Ei der Nachwuchs. Dieser frisst nach und nach den Vorrat auf und entwickelt sich dabei zum fertigen Insekt. In einer Ruhephase überwintert dieses noch im Nest, bevor es sich dann im nächsten Frühjahr daraus befreit. Ein paar Tage vor den Weibchen schlüpfen die Männchen. Diese warten dann schon vor den Nesteingängen und es kommt zur Paarung, kaum, dass das Weibchen ans Tageslicht kommt. Wer nur wenige Wochen Lebenszeit hat, darf halt nicht rumtrödeln … Die einzige Aufgabe der Männchen ist die Befruchtung; sie helfen den Weibchen später weder beim mühsamen Nestbau noch beim Pollensammeln. Ganz alleine meistert das Weibchen dann diese schwierigen Aufgaben und gönnt sich dabei keinen freien Tag. Nur bei Regenwetter oder Kälte wartet sie ungeduldig im Nesteingang auf bessere Bedingungen. Da darf das Männchen dann aber auch nicht mit rein, das muss sich woanders Schutz suchen.
Die Dunkelfransige Hosenbiene hat sich bei den Pollen auf Korbblütler (Asteraceae) spezialisiert, andere Pflanzen fliegt sie nicht an. Im Spätsommer kann man sie gut an der Wegwarte beobachten, allerdings nur bis mittags. Dann schließen sich die Blüten bis zum nächsten Tag. Beliebt sind auch Ferkelkraut, Pippau, Wiesen-Flockenblume, Habichtskraut sowie Acker-Gänsedistel und gewöhnliche Kratzdistel.
Wenn ihr unter anderem Hosenbienen im Garten haben möchtet, solltet ihr neben der richtigen Pflanzenwahl – heimisch! – einfach den Rasen seltener mähen. Dann kommen gelbe Korbblütler wie das Ferkelkraut zur Blüte. Auch Klee und die Blüten vieler weiterer Kräuter machen den Rasen schnell zur Bienenweide!
Zwischen den Pflastersteinen vor der Garage oder auf der Terrasse findet ihr verräterische Erdhügel in den Fugen? Das müssen längst nicht immer Ameisen sein. Unter anderen die Dunkelfransige Hosenbiene weicht gerne auf solche Offensandstellen aus, wenn sie in der Umgebung nichts Passenderes findet. Sie macht keinen Schaden, lasst sie also gerne ihr Nest fertig bauen. Tipp für die Neuanlage einer Pflasterung: Diese kann nur als Lebensraum dienen, wenn die Fugen nicht zu schmal und die Platten nicht in Schotter oder Splitt, sondern in Sand gelegt sind. Sonst kommen die fleißigen Tierchen da nicht durch.
Es lohnt sich auch der kritische Blick vor und hinter das Haus. Wird jede versiegelte Fläche wirklich noch benötigt? Einen tollen Hingucker und wertvollen Lebensraum könnt ihr auch durch das „Abpflastern“ schaffen. Wenn ihr nicht mehr benötigte Flächen entsiegelt und stattdessen sinnvoll und bunt bepflanzt, freut sich nicht nur die Natur über zurückgewonnene Flächen. Das sieht auch schön aus und beim nächsten Starkregen kann das Wasser dort versickern, bevor es sich seinen Weg zum Kellerfenster sucht.
Unbestritten ist die intensive Landwirtschaft mitverantwortlich für das Insektensterben. Das hat man mittlerweile erkannt und arbeitet an vielfältigen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation. Habt ihr aber gewusst, dass in Deutschland immer noch jeden Tag aufs Neue eine Gesamtfläche von 50 bis 60 Hektar (ein Hektar sind 10.000 m²) neu versiegelt wird? Jeden Tag! Auch hier werden Lebensräume für lange Zeit zerstört. Das kann man als Einzelner kaum verhindern. Ein naturnahes Denken und Handeln im eigenen Umfeld setzt aber wichtige Zeichen und hilft auch schon auf kleiner Fläche.
Denkt also bei der Gartenplanung gerne mal in eine neue, naturnahe Richtung. Die kleinen Brummer, wir brauchen sie so dringend für die Bestäubung unserer Lebensmittelpflanzen, werden es euch danken!
Text und Foto: Hajo Kaemena
