Erdbeeren sind wie Spargel

Von Winfried Hammelmann, Oberneulander, Redakteur und Autor

Ich plaudere jetzt mal aus dem Nähkästchen: Wenn ich – wie in den letzten Tagen – sehr wenig Zeit habe, dann mache ich mir zu meinem Thema zunächst einmal Notizen. Erdbeeren sollten das Hauptthema in dieser Ausgabe des Oberneuland Magazins sein. Also gut:

Erdbeeren sind fruchtig, schmecken süß, na ja oder noch säuerlich. Sie haben, wenn sie reif sind, eine tolle Farbe. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen, wenn ich daran denke, mir eine Erdbeere in den Mund zu schieben, wonach mir das Erdbeerwasser im Mund zusammenläuft. Es gibt: Erdbeertorte, Erdbeerjoghurt, Erdbeermilch, Erdbeerbowle (Mmmh, lecker), Erdbeerkonfitüre, Erdbeeren mit Schlagsahne, Erdbeersahne mit Schlag (hihi), Erdbeeren in Champagner, besonders aromatische Walderdbeeren (könnte ich mich reinsetzen), Erdbeerbrei (ist doch klar, wenn man sich da reingesetzt hat). Die Beatles sind Erdbeeren für meine Ohren, auch wegen ihres Songs „Strawberry Fields Forever“. Schon sind wir bei der Literatur, bei Villon: „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“.

Dann erfuhr ich vom Redaktionsleiter, dass sich das Hauptthema geändert hat. Nun sollte es Spargel sein. Für solche Fälle habe ich – gerade wenn die Zeit knapp wird – eine Methode entwickelt, die simpler als einfach ist: Ich lasse den Text im Wesentlichen so, wie er ist und ersetze lediglich den alten Oberbegriff durch den neuen. Ich praktiziere in diesem Fall also das, was der Wissenschaft noch nicht gelungen ist: Ich mache aus Erdbeeren Spargel. Das geht verdammt schnell, also in meinen Notizen, ich muss nur einige Wörter austauschen und die Grammatik korrigieren.

Los geht’s:

Spargel ist fruchtig, schmeckt süß, na ja oder noch säuerlich. Er hat, wenn er reif ist, eine tolle Farbe. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen, wenn ich daran denke, mir eine Spargelstange in den Mund zu schieben, wonach mir das Spargelwasser im Mund zusammenläuft. Es gibt: Spargeltorte, Spargeljoghurt, Spargelmilch, Spargelbowle (Mmmh, lecker), Spargelkonfitüre, Spargel mit Schlagsahne, Spargelsahne mit Schlag (haha), Spargel in Champagner, besonders aromatischen Waldspargel (könnte ich mich reinsetzen), Spargelbrei (ist doch klar, wenn man sich da reingesetzt hat). Die Beatles sind Spargel für meine Ohren, auch wegen ihres Songs „Asparagus Fields Forever“. Schon sind wir bei der Literatur, bei Villon: „Ich bin so wild nach deinem Spargelmund“.

Okay, man muss noch ein bisschen mehr ändern, damit es Sinn ergibt oder Unsinn. Aber das ist nur ein Klacks, um genau zu sein: ein Klacks Spargelsahne (formally known as Erdbeersahne). Geht los: Spargel ist gemüsig, schmeckt spargelig, na ja oder noch bitter. Er hat, wenn er reif ist, keine tolle Farbe. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen, wenn ich daran denke, mir eine Spargelstange in den Mund zu schieben, wonach mir das Spargelwasser … äh … unter der Gürtellinie zusammenläuft. Es gibt: Spargeltorte, Spargel ohne Joghurt, Spargelcreme, Spargelbowle (bäh), Spargel mit Kartoffeln, keinen Spargel mit Schlagsahne, Spargelsahne mit Schlag (häh häh?), sparkling Champagner, besonders unaromatischen Weltspargel (könnte ich mich bestenfalls reinsetzen), Spargelbrei (ist doch klar, wenn man sich da reingesetzt hat). Bohnen sind Spargel für meine Ohren, auch wegen des Songs „Asparagus Beans Forever“. Schon sind wir bei der Literatur, bei Villon: „Sei du so wild nach meinem SpargelXXX“.

Das ist alles kein Zauberwerk, dachte ich. Und dann bekam ich eine kurze WhatsApp-Nachricht: „Wir müssen das Hauptthema noch einmal ändern. Es heißt jetzt Bienen und Co. Wobei Co wahrscheinlich für Comisch steht, was komisch aussieht, weil es nicht groß und nicht mit einem „C“ geschrieben wird. Andere würden sich an dieser Stelle ziemlich aufregen, den Kopf schütteln und brüllen: „VERDAMMT NOCH EINS! WAS IST DAS FÜR EINE DRECKS…..SSE! DIE GLAUBEN WOHL, SIE KÖNNEN MIT MIR MACHEN, WAS SIE WOLLEN!“

Das war bei mir auch so.

Dann habe ich mich wieder beruhigt. Nein.

Genau genommen hat meine Frau mich wieder beruhigt und daran erinnert, dass ich doch auch für diesen Fall lediglich meine Kolumnennotizen abwandeln muss. Recht hatte sie:

Themen sind fruchtig, schmecken süß, na ja oder auch säuerlich. Sie haben, wenn sie reif sind, eine tolle Gabe. Mir läuft schon der Sabber im Mund zusammen, wenn ich daran denke, mir ein neues Thema in den Kopf zu schieben, wonach mir das Hirnwasser im Mund zusammenläuft. Es gibt: eine Torte voller Themen, Joghurt als Thema, Milch als Thema, Bowling als Thema (Mmmh, locker), Erdbeerthemen, Themen mit Schlagzeilen, schlagende Themen über Schlager (sing sing), Themen um Champagner, besonders amoralische Waldthemen (könnte ich mich reinversetzen), Themenbrei (ist doch klar, wenn man sich da reinversetzt hat). Die Beatles sind Thema für meine Ohren, auch wegen ihres Songs „Theme Themes Forever“. Schon sind wir bei der Literatur, bei Villon: „Ich bin so wild nach deinem Erdbeerthema“.

Okay, es kam, wie es kommen musste: Es sollte dann doch das Thema Erdbeeren werden.