Retten, Löschen, Bergen, Schützen als Ehre

Die Freiwillige Feuerwehr Oberneuland

Hört man Christian Post in seiner schmucken dunkelblauen Uniform zu, dann klingt dies ein wenig behördlich oder auch sehr nah an dem Vokabular der Polizei.

Der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Oberneulands spricht von Großlagen, Sonderzügen, Sonderaufgaben oder der Einsatzleitzentrale. Diese Nähe der beiden Vokabulare, das der Polizei und der Feuerwehren, ist gewünscht, da man eng zusammenarbeiten und sich eben blind verstehen muss.
Der 58-jährige Post ist noch einige Jahre in seinem Amt, auch wenn er die ganze Wahlperiode nicht ganz wird im Dienste der Bevölkerung ableisten können, da er dann die Altersgrenze überschreiten würde. Mit 62 Jahren ist der aktive Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr beendet. Ihm zur Seite in Oberneuland stehen 41 Aktive, darunter fünf Frauen und 23 Jugendfeuerwehrmitglieder. Zusätzlich sind noch zwei Feuerwehrmitglieder in der sogenannten Einsatzunterstützungsabteilung, da sie bereits das 62. Lebensjahr überschritten haben, aber bei besonderen Lagen helfen. Außerdem besteht die Altersabteilung aus 15 Feuerwehrmännern.
Aufgenommen werden können Interessierte bis zu einem Alter von 45 Jahren und in besonderen Ausnahmefällen, die dann gesondert begutachtet werden müssen, auch noch darüber hinaus. „Wir freuen uns sehr über Interessierte“, so Post zu der
aktuellen Situation seiner Freiwilligen Feuerwehr. Für die Jugendfeuerwehr aktuell nicht gesucht, hier gibt es bereits eine Warteliste.
Die Montagabende gehören dem Training dessen, was ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr wissen und besonders können muss. Jeder dieser Abende hat ein spezielles Thema, eine gesonderte Aufgabenstellung. Hier wird gemeinsam geübt. Alle Fahrzeuge der Feuerwehr Oberneuland sind immer für einen Einsatz perfekt vorbereitet. Darauf achten alle Mitglieder sehr genau. „Sie haben bei einem Einsatz keine Zeit, etwas zu suchen, da muss es schnell gehen und alles an seinem Platz sein“, erklärt Wehrführer Post. Besondere vorhersehbare Ereignisse, wie beispielsweise ein avisierter Sturm, werden besonders vorbereitet. Da wird die Kettensäge nochmals gestartet und kontrolliert. Glücklicherweise aber hatte der letzte große Sturm Jitka keinerlei Schäden im Stadtteil hinterlassen.
Um über Einsätze informiert zu sein, trägt Christian Post immer seinen Funkmeldeempfänger an allen Tagen des Jahres bei sich – außer im Urlaub. Der Lauf der Benachrichtigung geht immer und ausschließlich über die Einsatzleitzentrale der Berufsfeuerwehr, die unter der 112 erreicht werden kann. Sollte diese entscheiden, dass die Freiwillige Feuerwehr den Einsatz übernehmen soll oder hinzugerufen wird, dann bekommen alle aktiven Mitglieder der FF Oberneuland eine Nachricht auf den kleinen schwarzen Empfänger. Eine Großeinsatzlage herrschte in Oberneuland zum letzten Mal beim Brand der Dampfmühle, zu deren Brandbekämpfung etwa 100 Feuerwehrmänner und -frauen ausgerückt waren, darunter natürlich auch die des Stadtteils.

Hochwasser forderte das ganze Team
Der letzte große Einsatz fand jedoch gerade erst zum Jahreswechsel statt. Die Menschen in Borgfeld, Timmersloh und Lilienthal brauchten Unterstützung bei der Bekämpfung des stetig steigenden Wasserpegels. Die Freiwillige Feuerwehr Oberneuland ist eine von zwei Feuerwehren, die über einen speziellen Anhänger verfügt, der mit Mitteln zur Bekämpfung solcher Lagen ausgestattet ist. Diese Sonderaufgabe Hochwasserschutz brachte dann den Oberneulander Feuerwehrleuten um den Jahreswechsel einen langen und kräftezehrenden Einsatz im Nachbarortsteil. Hier kamen auch die zehn jeweils 19 Meter langen Teile der Noaq-Luftwalle und die sechs jeweils 15 Meter langen Tigerdämme, die mit Wasser befüllt werden, zum Einsatz, um eine noch schlimmere Überschwemmung zu verhindern. Diese sehr wertvollen Mittel zum Objektschutz kosten jeweils etwa 100.000 Euro und mussten nach dem Abbau gereinigt und getrocknet werden. Dafür duften die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr die ehemaligen Hallen von Roha nutzen.
Eine weitere Sonderaufgabe der Oberneulander ist die sogenannte LUK-Fachgruppe. Darunter fällt etwa eine Drohnenstaffel, mittels derer bei einem Brand von oben der Brandkern identifiziert werden kann. Diese Drohnen werden aber auch wegen ihrer Eigenschaft der Wärmeerkennung bei der Personensuche eingesetzt. Diese Gruppe errichtet zusätzlich auch bei großen „Lagen“ mobile Funknetze, die der Verständigung der Einsatzkräfte dienen. Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Sonderaufgabe ist die des sogenannten Verpflegungszuges. Da in dem Räumen der Feuerwehr Oberneuland eine große Küche untergebracht ist, kann hier bei großen Gefahrenlagen für die Mitglieder im Einsatz gekocht werden.

Über die Grenzen hinaus
Die Freiwillige Feuerwehr Oberneuland hat im Schnitt zwischen 50 und 60 Einsätzen pro Jahr. Darunter fallen kleinere Aufgaben wie die Beseitigung eines umgestürzten Baumes, aber auch die Unterstützung der Berufsfeuerwehr bei der Brandbekämpfung. Das Team rund um Wehrführer Christian Post ist aber nicht nur für das Gebiet Oberneulands zuständig, sondern arbeitet auch in den Nachbarstadtteilen wie der Vahr, Radio Bremen bis hin zur Rennbahn.
Grundsätzlich gelten auch für die Mitglieder der Freiwillige Feuerwehr Oberneuland die Gründe, warum man sich in diesem so wichtigen Bereich engagiert – man ist in einem Team Gleichgesinnter unterwegs, man hilft anderen, man übernimmt Verantwortung, man ist mitten im Geschehen, man entwickelt sich weiter – besonders auch über die zahlreichen zusätzlichen Lehrgänge, man ist umgeben von moderner Technik, die Bevölkerung schätzt die Arbeit der Feuerwehrmänner und -frauen, man hat zusammen viel Spaß und vor allem betätigt man sich in den vier Aufgabenfeldern der Feuerwehr – Retten, Löschen, Bergen und Schützen.
„Wer Interesse an unserer Arbeit hat, sollte sich bei uns melden und kann dann an drei der Trainingsabende teilnehmen. So erlebt man unsere Arbeit hautnah und kann sich dann entscheiden, ob man Mitglied werden möchte“, beschreibt Wehrführer Christian Post den Weg zur Freiwilligen Feuerwehr Oberneuland.

CB

Das Team der Freiwilligen Feuerwehr Oberneuland. Der orangefarbene „Wurm“ ist der Tigerdamm, eines der Hochwasserschutzmittel, das bei der zweiten Hochwasserwelle prophylaktisch am Erbrichterweg in Borgfeld zum Schutz einer neuerlichen Überflutung zum Einsatz kam. Foto: privat